Rudolf Borchardt: Anabasis
Aufzeichnungen, Dokumente, Erinnerungen 1943-1945. Hrsg. von Cornelius Borchardt in Verbindung mit dem Rudolf Borchardt Archiv. Edition Tenschert bei Hanser 2003, 424 Seiten geb. € 27,90. ISBN 3-446-20385-0.
Enthält: Vorwort - Rudolf Borchardt: Anabasis (1944) - Corona Borchardt: Tagebuchaufzeichnungen Florenz 1944 - Cornelius Borchardt: Erinnerungen an 1944/45 (1999) - Gerhard Schuster: Chronik der Ereignisse 1943-1945 - Zu dieser Ausgabe - Anmerkungen - Werkregister Rudolf Borchardt - Namenregister.
Lucca, August 1944: Soldaten durchkämmen mit Hunden die Weinberge, in denen sich der seit Jahrzehnten in Italien lebende Rudolf Borchardt mit seiner Familie versteckt hält; als (noch unentdeckter) Jude einerseits, als Vater dreier »wehrfähiger« Söhne andererseits wird er nun gesucht - und gefunden. Es beginnt die »Anabasis« der Borchardts, tagelang auf offenem Lastwagen in Richtung Norden, mit ungewissem Ziel. Den Gesprächen der Eltern mit den Kindern hört der begleitende Feldgendarm namens Paul Müller zu - und läßt sie dann alle in Innsbruck laufen... Rudolf Borchardts bisher unveröffentlichter autobiographischer Bericht gilt dem italienischen Kriegsschauplatz: ein Panorama von Zerstörung, Deportation und Verzweiflung und zugleich auch ein Rückblick auf die wesentlichen Entwicklungslinien der eigenen Biographie, wie sie sich im Widerspruch zu den politischen Verhältnissen seit dem Ende der deutschen Monarchie 1918 entwickeln mußte. Der in kritischer Edition und sorgfältiger Kommentierung erschlossene Nachlaßtext wird ergänzt durch Tagebuchaufzeichnungen der Tochter Corona Borchardt, die im Sommer 1944 die Kämpfe um Florenz miterlebt. Der Sohn Cornelius Borchardt (geb. 1928) berichtet als Augenzeuge über die Verhaftung und Abführung der Familie bis zum Tod des Vaters am 10. Januar 1945. Der reich illustrierte Band wird ergänzt durch eine von Gerhard Schuster erarbeitete detaillierte Lebens- und Werkchronik aus den Jahren 1943 bis 1945.


