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Chronik

1914

Anfang Januar: Aufenthalt bei Ottonie Gräfin von Degenfeld und Eberhard von Bodenhausen in Schloß Neubeuern am Inn, Begegnung mit Hofmannsthal in München zur Première des ›Woyzeck‹ im Residenztheater.
15. Januar: Tod des altphilologischen Lehrers Friedrich Leo in Göttingen.
nach 12. Februar bis Anfang März: Aufenthalt RBs in Venedig und Padua, mit Ludwig Wolde.
Sommer: Durch Vermittlung Hofmannsthals, Schröders und Franz Bleis (erfolglose) Verlagsverhandlungen mit Ernst Rowohlt/Kurt Wolff und S. Fischer).
30. Mai: Tod von Therese Leo in München.
August: In Livorno Meldung als Freiwilliger bei Ausbruch des Weltkriegs.
29. Juni: Erster Brief RBs an Werner Kraft (1896-1991), seither und bis 1933 in persönlicher und brieflicher Verbindung.
24. September: Einberufung RBs.
September/Oktober: Besuche bei Alfred Walter von Heymel und Franz Blei in Berlin. Einberufung nach Lörrach in Baden.
17. Oktober: In Lörrach gemeinsam mit Hermann Burte ein »Vaterländischer Abend« mit ›Vaterländischer Ansprache‹ RBs.
seit 22. Oktober: In Müllheim/Baden. Rekrutenausbildung im 7. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 142.
26. November: Tod Heymels in Berlin.
5. Dezember: In Heidelberg auf Einladung der ›Akademischen Gesellschaft für Dramatik‹ die Rede ›Der Krieg und die deutsche Selbsteinkehr‹.
Dezember: Erlaubnis, in Müllheim außerhalb der Kaserne zu wohnen, bis November 1915 im Haus des Kolonialwarenhändlers Gustav Seuffert, Werderstraße 29. Freundschaft zu Oberamtsrichter Walter Gerbel (1873-1940) und seiner Frau Isabel geb. Jägerschmidt (1878-1944).
27.-29. Dezember: Aufenthalt bei Eberhard von Bodenhausen in Degenershausen bei Ermsleben am Harz; Nachlaßverfügungen im Einberufungsfall.
Pläne und Manuskripte: Bis zum Kriegsbeginn bei der ›Bremer Presse‹ abgeliefert: Pindar-Übersetzungen (6 Siegeslieder), Dantes ›Vita Nova‹ und erste Gesänge der ›Comedia‹, Swinburne, Hartmanns ›Armer Heinrich‹. Einleitung zu einem geplanten Reden-Band (Mai).
Veröffentlichungen: Tacitus: ›Germania‹ (Bremen: Bremer Presse, ausgedruckt im Sommer).

1915

Januar bis Anfang November: In Müllheim Kasernendienst als Gefreiter und (ab 5. Februar) Unteroffizier.
27. Januar: Rede vor Soldaten zu Kaisers Geburtstag.
10. Februar: Auf Einladung des ›Deutschen Roten Kreuzes‹ die Rede ›Der Deutsche an seinen Grenzen‹ im Müllheimer Rathaus.
vor 16. Februar: Auf Einladung des Infanterie-Regiments Nr. 142 Rede über die Ursache und Vorgeschichte des Krieges.
16. Februar: Auf Einladung des Infanterie-Regiments Nr. 142 Rede über die Lage im Westen und Osten.
vor 28. März: Auf Einladung des Infanterie-Regiments Nr. 142 Rede über den Seekrieg.
1. April: Auf Einladung des Infanterie-Regiments Nr. 142 Rede über Bismarck zum hundertsten Geburtstag.
4.-7. April: Aufenthalt in Berlin. RB erreicht die wirtschaftliche Sicherstellung von Karoline Borchardt durch seine Familie.
Anfang Juli: Versuchweise freiwillige Meldung an die italienische Front, um Offizier zu werden.
8. August: Auf Einladung des ›Deutschen Roten Kreuzes‹ die Rede ›Warum fiel Italien ab?‹
seit Oktober: Liebesbeziehung zu Maximiliane von Fischer-Treuenfeld geb. Wyneken (1887-1918). Freundschaft mit ihrer Schwester Edith von Fransecky (1885-1932), der späteren Frau des Archäologen Ludwig Curtius (1874-1954).
19. November: Ausrücken an die Westfront.
Dezember: Interesse des Vorstandes der im November gegründeten Berliner ›Deutschen Gesellschaft 1914‹ an einer Rede RBs. Korrespondenz mit Walther Rathenau, Heinrich Braun und Helmuth von Moltke.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an den Balladen zum Trauerspiel ›Petra und das Tier‹. Gedicht ›Neu Jahr‹.
Veröffentlichung: ›Der Krieg und die deutsche Selbsteinkehr‹ (Heidelberg: Richard Weißbach [Juni]).

1916

»Im Felde«: Standquartier in Sainte Marie sous Bourey bei Vouziers nahe Reims. Ortskommandant ist der Freiburger Verleger Hermann Herder (1864-1937).
27. Januar: Rede vor Soldaten zu Kaisers Geburtstag.
21. Februar: In Berlin auf Einladung der ›Deutschen Gesellschaft 1914‹ die Rede ›Der Krieg und die deutsche Verantwortung‹. Begegnung mit Hugo von Hofmannsthal, Eberhard von Bodenhausen, Walther Rathenau, Ernst Troeltsch, Martin Buber u. a. Durch Franz Blei Verlagsverbindung zu S. Fischer.
seit Februar: Im »Kampfgraben« von Tahure.
14. April: Erkrankung an Rippenfellentzündung durch Erschöpfung.
bis 28. April: Im Feldlazarett Vouziers.
29. April bis 30. Juni: Aufenthalt im Reserve-Lazarett Sanatorium Dr. Arndt in Meiningen.
seit 7. Juli: Gemeinsam mit Karoline Borchardt als Rekonvaleszent in Heiligenberg über Salem/Baden, ›Hotel Post‹.
seit August: Wieder in Müllheim, beschränkt garnisondienstfähig. Vergebliche Bemühungen um eine Versetzung zu Schröder nach Brüssel.
November: »Politischer« Urlaub in Berlin. Bekanntschaft mit Heinrich Freiherr von Gleichen-Rußwurm (1882-1959) in Berlin, dem Geschäftsführer des ›Bundes deutscher Gelehrten und Künstler‹, ab Januar 1928 Herausgeber der Zeitschrift ›Der Ring‹.
7. Dezember: Auf Einladung des ›Bundes deutscher Gelehrten und Künstler‹ die Rede ›Der Krieg und die deutsche Entscheidung‹ (so der durch die Zensur veränderte Titel statt ›Der Krieg und die deutsche Krisis‹) in der Berliner Philharmonie. Anschließend Bekanntschaft mit Hugo Schaefer (1892-196x), Hans Cohen (18xx-19xx), Hubert Breitenbach (1896-1990) und Werner Kraft (1896-1991).
Pläne und Manuskripte: Arbeit an den Drama ›Petra und das Tier‹ (seit März); Sammlung der ›Jugendgedichte‹ für eine öffentliche Ausgabe (Juli), deshalb auch Korrespondenz mit Margarete Preyss geb. Ruer, der »Vivian« von 1901. ›Entwurf eines Arbeitsprogramms für den »Bund deutscher Gelehrten und Künstler«‹ und Plan einer Zeitschrift ›Öffentlicher Geist‹, vom Krupp-Konzern unterstützt (November), Gedichte ›In ein Buch geschrieben‹, ›Robert Borchardt der Jüngere, gefallen [am 2. Oktober 1916] vor Lemberg‹, ›Grablied auf einen gefallenen Flieger‹.
Veröffentlichungen: ›Der Krieg und die deutsche Verantwortung‹ (Berlin: S. Fischer [März]), ›In das Stammbuch meines Kommandeurs im Felde [Walther Schmidt]‹ (Tägliche Rundschau, 26. November), ›Öffentlicher Geist‹ (Die Grenzboten, 27. Dezember).

1917

zum 4. Januar: Versetzung von Müllheim nach Berlin in die Abteilung ›Nachrichten-Offizier Berlin‹ beim Stellvertretenden Großen Generalstab; dort u. a. auch Ernst Hardt und der pazifistische Schriftsteller Hans Georg von Beerfelde (1877-1960). Karoline Borchardt ehrenamtlich im Berliner Preußischen Kriegsministerium tätig.
Januar, April, November, Dezember: Häufiges Zusammentreffen mit Schröder, Hofmannsthal und Bodenhausen in Berlin. Teilnahme an politischen Debatten im Umkreis von Richard von Kühlmann, Kurt Riezler, Max Liebermann, Tilla Durieux, Theodor Wolff, Max Reinhardt. Schwärmerei für Sibylle Blei.
31. März: Hofmannsthal hält in Bern die von RB konzipierte Rede ›Gedanken über Schicksal und Aussicht des europäischen Begriffs/Die Idee Europa‹.
seit 1. April: Nachmieter in der Wohnung von Ludwig Mies (van der Rohe), Am Karlsbad 24, unweit der Potsdamer Straße. Bei einer Soiree zur Einweihung erste Begegnung mit Schröders Nichte Marie Luise (»Marel«) Voigt (1896-1989).
ab Mitte September: Zweiwöchentlicher Urlaub in Bad Tölz, Beratungen mit Willy Wiegand und Ludwig Wolde wegen der Fortführung der ›Bremer Presse‹.
seit November: Freundschaftlicher Umgang mit dem hochbegabten Otto Braun (1897-1918). Auf Betreiben Hofmannsthals Lektüre der Schriften von Rudolf Pannwitz. Intensive Goethe-Beschäftigung.
Pläne und Manuskripte: Zyklus der ›Nachklang‹-Gedichte auf Sibylle Blei (1897-1963?) (Oktober), Gedichte ›Grabschriften: Ein Zweiter [Arthur Flieg, gefallen 8. Oktober 1917], »Abschied haben wir nicht genommen...«, Rezension ›»Der Krieg« von Stefan George‹ (nach Juli oder September), Zusammenstellung aller Drucke, Manuskripte und Planungen für eine systematisierte Autobibliographie, die nach Erscheinen Walter Benjamins Kritik provoziert. [undefinedmehr]
Veröffentlichungen: ›Grabschriften‹ (Krieger-Ehrungen, Juli), ›Erinnerung‹ an Alfred Walter von Heymel (Nachlaß Heymel. Auktionskatalog Paul Graupe, September).

1918

seit Jahresbeginn: Spürbare Entfremdung von Karoline Borchardt. RB besteht auf getrennten Wohnsitzen in Berlin und Süddeutschland.
Februar: Lektüre von Josef Nadlers ›Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften‹, auf Drängen Hofmannsthals.
März: Aufenthalt Hofmannsthals in Berlin. Häufige Begegnungen auch mit Bodenhausen, Lesungen aus bisher unveröffentlichten Dichtungen. Verstärkte Beschäftigung mit alten Entwürfen und deren Vollendung.
vor 5. März: Vor einem privaten Kreis in Berlin Rede über ›Deutschland und Italien‹.
vor 9. April: Bei Gelegenheit der Generalprobe zur Molière-Bearbeitung ›Der Bürger als Edelmann‹ von Hofmannsthal und Richard Strauss im ›Deutschen Theater‹ entscheidende Wiederbegegnung mit Marie Luise Voigt.
27. April: In Mannheim auf Einladung der ›Gesellschaft für Kunst und Weltanschauung e. V. »Sternwarte«‹ die Rede ›Der Dichter und die Geschichte‹.
29. April: Otto Braun bei Marcelcave in Frankreich gefallen.
1. Mai: Zur Feier von Marie Luise Voigts 22. Geburtstag Aufenthalt mit der Familie in Potsdam.
6. Mai: Tod Eberhard von Bodenhausens.
12. Mai: In Degenershausen auf Einladung der Angehörigen die ›Rede am Grabe Eberhard von Bodenhausens‹.
nach 14. Mai: Rudolf Alexander Schröder zwei Wochen zu Gast bei RB in Berlin.
seit 21. Juni: Erholungsaufenthalt RBs in Degenershausen, Vertrauensverhältnis zu Ottonie Gräfin Degenfeld. Seither fast täglich Briefe an Marie Luise Voigt.
seit Juli: Mentorschaft RBs zu dem mit Werner Kraft befreundeten Hubert Breitenbach.
seit Anfang September: Liebesbeziehung mit Marie Luise Voigt.
28. September: In Berlin erste Wiederbegegnung mit Otto Deneke seit 1902.
6. bis 15. November: Während der Revolutionswirren Aufenthalt RBs in Degenershausen.
seit 10. Dezember (bis 2. April 1919): Auf Einladung von Ludwig Wolde wöchentliche Reden vor privatem Zuhörerkreis als ›Einführung in den Geist der Zeit‹.
Pläne und Manuskripte: Redaktion der ›Verkündigung‹, Gedichte ›In das Bodenhausensche Gästebuch nach dem Tod Eberhard von Bodenhausens‹, ›Das Entzücken‹ (Juli), ›Die halb gerettete Seele‹ (Dezember), ›Mit einer griechischen Kette (Dezember).
Veröffentlichungen: Gedichte und Autobibliographie (Die Dichtung, Winter 1917/18), Rezension ›Hofmannsthals prosaische Schriften‹ (Vossische Zeitung, 28. April), Neuauflagen des ›Gesprächs über Formen und Platons Lysis Deutsch‹ und der ›Rede über Hofmannsthal‹ (Berlin: Hyperion-Verlag [Sommer]).

1919

5. Januar: Auf Einladung der Gesellschaft ›Das Junge Deutschland‹ Lesung RBs aus ›Petra und das Tier‹ im ›Deutschen Theater‹.
14. bis 21. Januar: Gast von Robert und Lina Voigt in Bremen, zuvor gemeinsamer Aufenthalt in Fallingbostel. Improvisierte Ansprache am ›Roland‹ beim Rathaus vor Rotgardisten.
17. Januar: Auf Einladung des ›Kaufmännischen Vereins »Union von 1801«‹ die Rede ›Warum wir nicht völlig verloren sind‹.
Februar/März: Nach gescheiterten Verhandlungen mit S. Fischer Vertrag mit Ernst Rowohlt über ›Schriften‹ in 12 Bänden; seither Vorbereitungs- und Redaktionsarbeiten.
seit 23. Januar: Wohnung in Potsdam, Pension Starke-Rettberg, Kronprinzenstraße 24/25.
März: Aufenthalt in Fallingbostel und Bremen. Dort Reden ›Über Unterricht, Erziehung und Bildung‹ und ›Freie Künste. Eine Schulrede‹. Heiratsantrag bei Robert Voigt.
seit März: Gemeinsam Wohnung mit Marie Luise Voigt in Berlin, Blumeshof 2. Nach deren Pfändung im September wegen unterlassener Mietzahlungen Intervention Schröders gegen die künftige Verbindung mit seiner Nichte.
Frühjahr: Nach fünfjähriger Unterbrechung nimmt die ›Bremer Presse‹ in Bad Tölz ihre Arbeit wieder auf.
Mai bis Juli: Aufenthalt mit Marie Luise Voigt in Potsdam und Umgebung. Freundschaft mit dem Gartenbau-Reformer Karl Foerster in Bornim bei Potsdam. Abkehr von politischer Betätigung.
3. bis 23. September: Mit Marie Luise Voigt auf der Insel Spiekeroog.
13. Oktober: In München Scheidung von Karoline Borchardt.
seit Mitte November: Auseinandersetzung mit der Familie Voigt und Schröder wegen geplanter Heirat mit Marie Luise und Gerüchte über RBs Lebenswandel in früheren Jahren. [undefinedmehr]
16. November-6. Dezember: Arbeitsklausur in Fallingbostel, ›Pension Villa am Walde‹, u.a. Aischylos-Lektüre.
4. bis 6. Dezember: Großer Rechtfertigungsbrief mit autobiographischen Rückblicken an Marie Luise Voigt.
seit 6. Dezember: Wieder in Berlin, bis 30. Januar in der Pension Mauff, Holsteinische Straße 31. Mitarbeit an der Zeitschrift ›Das Tage-Buch‹. Verlagsarbeit mit Rowohlt. Versöhnung mit Marie Luise Voigt und ihrer Familie. Besuch der Reinhardt-Inszenierungen im ›Großen Schauspielhaus‹ (Kleist, Shakespeare, Aischylos, Hauptmann u.a.).
Pläne und Manuskripte: Zeitschriftenpläne: ›Hesperus‹-Fortsetzung, ›Athenäum‹, ›Titan‹; Erwägung von Filmdrehbüchern; Dramen ›Die geliebte Kleinigkeit. Ein Schäferspiel in einem Akte und in Alexandrinern‹ (bis Mai), ›Orest in Delphi‹, Essays ›Rheinsberg‹ (Mai), Denkschrift ›Max Reinhardt und das Theater‹, Rezension ›Über Hofmannsthals Erzählung‹ [›Die Frau ohne Schatten‹], (Dezember?), Gedichtzyklus ›Die Schöpfung aus Liebe‹, darunter ›Mit den Schuhen‹ (18. Januar), [undefinedmehr] ›Furchtbarer Frühling‹ (Februar), ›Mit einer Stutzuhr‹ (zum 1. Mai), ›Die gelbe Kaiserkrone‹, ›Mit einer anderen Kette‹, ›Arie‹, ›Ständchen‹, ›Tausend Freuden‹ (August).
Veröffentlichungen: ›Das Entzücken‹ (Das junge Deutschland, Januar), ›Swinburne. Deutsch von Rudolf Borchardt‹ (Berlin: Ernst Rowohlt [Dezember]).

1920

1. Februar (bis Anfang Mai): RB wohnt in der Pension von Sabine von Verzar, Berlin-Friedenau, Bachestraße 3. Marie Luise Voigt zur weiteren privaten Ausbildung als Konzertsängerin in Bremen und Frankfurt/Main. Positive publizistische Wirkung der Werkausgabe bei Rowohlt.
9., 16., 23. und 30. März: Auf Einladung Ludwig Woldes vierteiliger Redezyklus ›Der Dichter und das Dichterische‹.
23. April: Auf Einladung Ludwig Woldes ›Rede über Schiller‹.
Mai bis September: RB wohnt in der Pension Elsbeth von Bergen, Kurfürstenstraße 111.
6. Juni: Begegnung mit Werner Kraft.
Mitte September: Mit Marie Luise Voigt Abreise zum Bodensee; Quartier bei der Freundin Helene Schauer in Horn-Gaienhofen bei Radolfzell. Ausflüge in die Umgebung (Insel Mainau, Bregenz, Überlingen, Bodanrücken).
16. November: Heirat von RB und Marie Luise Voigt in Horn. Flitterwochen.
27.-30. November: Aufenthalt bei Hofmannsthal in Rodaun zur Beratung schwebender Zeitschriften- und Theaterpläne. In Wien Begegnungen mit Sibylle Blei, Walther Brecht und seiner Frau Erika, eine Tochter von Friedrich und Cécile Leo.
Dezember: Aufenthalt mit Marie Luise Borchardt in Hinterhör bei Ottonie Gräfin Degenfeld.
Pläne und Manuskripte: Streitschrift gegen Oswald Spenglers ›Untergang des Abendlandes‹ (Januar), Redaktion der Landor-Übersetzung, Essayfragment ›Mainau‹ (Oktober), ›Epilegomena zu Dante I. Einleitung in die Vita Nova‹ (Sommer), Gedicht ›Widmung der „Schriften“ an Marel‹.
Veröffentlichungen: ›Briefe ins besetzte Gebiet‹ (Januar), ›So rette das eigene Leben‹ (Die Rettung, Juni), ›Rudolf Borchardts Schriften‹ bei Rowohlt: ›Jugendgedichte‹ (Januar), ›Prosa I‹ (Juni); daneben in Einzeldrucken ›Der Durant‹ (August), ›Verkündigung‹ (September), ›Die halb gerettete Seele‹ (Oktober); Aufsätze ›Reinhardts Sieg‹ (Das Tage-Buch, 10. Juli), ›Das Große Schauspielhaus‹ (Blätter des Deutschen Theaters, November), Rede ›Über Schiller‹ (Das Tage-Buch, November).

1921

Januar bis Mitte April: Von München aus Aufenthalt im Kurhaus Hals bei Passau. Programmplanungen für die Bremer Presse. Übertragungsarbeit an Dante und den Provençalen wiederaufgenommen.
April bis Mitte Juli: Als Gäste in der Schwabinger Atelierwohnung von Dr. Hans Feist (1887-1952), Ainmillerstraße 34/IV, zwischen Habsburger- und Kurfürstenplatz.
27. April: In München verfrühte Geburt des Sohnes Kaspar. Begegnung mit Jakob Wassermann.
Juli: Übersiedlung nach Italien, Wartezeit im ›Albergo Universo‹ Lucca.
seit August: Wohnsitz in der Villa del Maglio in Torre bei Lucca.
ab Mitte Oktober: Wieder in Villa Mansi in Monsagrati Alto. Wachsende Devisenschwierigkeiten.
Pläne und Manuskripte: Zeitschriftenpläne (Juni), Feuilletons ›Italienischer Brief‹ und ›Briefe vom Berge‹ (Herbst), ›Der Geist des Mittelalters‹ (September), Intensive Dante-Arbeit, Übertragungen der ›Altionischen Götterlieder‹. Gedichte »Die fernsten Breiten aller Sagen...«, ›Canzone an Florenz‹, »Es hat Dir jedes Jahr gemait...«, Geburtsanzeige für Kaspar Borchardt.
Veröffentlichungen: ›Rheinsberg‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 27. Januar).

1922

seit April: Korrespondenz mit dem Romanisten Karl Vossler (1872-1949). Gärtnerfreuden in Monsagrati.
Anfang Mai: Besuch des mit Peter Voigt befreundeten Malers Alfred Wickenburg (1885-1978), eines Neffen des Fürsten Alexander von Thurn und Taxis.
15. Juni: Treffen mit Jakob Wassermann in Viareggio, Beratung der wachsenden Finanzprobleme.
28. Oktober: Benito Mussolinis »Marsch auf Rom«.
seit Herbst: Briefliche Vermittlung Hans Feists in Rom zwischen RB und Benedetto Croce.
9. Dezember: In Rom auf Einladung der Deutschen Botschaft die Rede ›I compiti spirituali della Germania odierna‹. Erste persönliche Begegnung mit Croce. Unter Führung von Walther Amelung Ausflug in die Villa Adriana bei Tivoli.
18. Dezember: Uraufführung des ›Krippenspiels‹ in Kiel.
Pläne und Manuskripte: Intensive Dante-Arbeit, ›Geschichte des Untergangs der deutschen Nation‹, von seinen Anfängen bis 1918 (seit Februar), ›Zu Goethes Seliger Sehnsucht‹ (Juli).
Veröffentlichungen: Hymnus ›Furchtbarer Frühling‹ (Neue deutsche Beiträge, Juli), Erzählung ›Die Geschichte des Erben‹ (Der neue Merkur, April), ›Dantes Comedia deutsch‹ (34 ausgewählte Gesänge) für die ›Vereinigung von Freunden der Bremer Presse‹ (August), ›Tacitus: Deutschland‹ (München: Bremer Presse, Oktober), Mitarbeit an der Anthologie von Hans Feist und Leonello Vincenti ›Frühe italienische Lyrik‹ (München: Hyperion-Verlag [Frühjahr]), Fortsetzung der ›Schriften‹ mit ›Dantes Vita Nova deutsch‹ (Dezember), außerdem ›Krippenspiel‹ (Berlin: Rowohlt [Juni]), ›Das Buch Joram‹ (Leipzig: Insel-Verlag [August]; Insel-Bücherei Nr. 93, 2).

1923

Januar: Erhoffte Mitarbeit an der New Yorker Zeitschrift ›The Dial‹, Korrespondenz mit dem Herausgeber Scofield Thayer; Pläne zu amerikanischen Tourneen im Herbst.
29. Januar: In Villa Mansi Geburt der Tochter Corona.
15. April: Kündigung der Villa Mansi wegen Devisenschwierigkeiten zum 15. Juni.
10. Mai: Abreise von Marie Luise Borchardt und den beiden Kindern in Begleitung des Bruders Peter Voigt nach Bremen. Mehrfach täglich Briefe RBs an seine Frau. Seither Versuch einer Übersetzung eigener Arbeiten ins Italienische (›Villa‹, ›Epilegomena zu Dante. I: Einleitung in die Vita Nova‹).
30. Mai: Uraufführung der ›Verkündigung‹ am Akademie-Theater, Wien.
Mitte Juni: Rückkehr RBs aus Italien nach München. Bis Oktober 1924 als Gast in der Wohnung von Hans Feist, Ainmillerstraße 34/IV; die Familie zeitweise in Bremen. Vertrag zwischen Ernst Rowohlt und der ›Bremer Presse‹ zur Sicherung von RBs Einkünften.
20. Juni: Auf Einladung des Buchhändlers Georg C. Steinicke die Rede ›Über den Dichter und das Dichterische‹.
28. Juni: Auf Einladung der ›Studentenspeisung e.V.‹ Einführung vor einer Dante-Lesung im Auditorium maximum der Universität.
seit Sommer: Anthologie-Pläne mit Willy Wiegand für die ›Bremer Presse‹. Kontakt zu Münchner Universitätsgelehrten wie u.a. dem Romanisten Karl Vossler (1887-1968), dem Mediävisten Carl von Kraus (1868-1952), dem klassischen Philologen Eduard Schwartz (1858-1940). Pflichtbesuche bei Thomas  Mann und RBs Jugendfreundin Katia Mann geb. Pringsheim.
4. August bis 8. September: Erholungsaufenthalt mit der Familie am Karer See; Besuch bei Ludwig Fulda im ›Haus Laurin‹. Danach RB wieder in München, Frau und Kinder in Bremen bei den Schwiegereltern Robert und Lina Voigt.
seit 20. Oktober: Einladungsbriefe RBs zur Mitarbeit an der geplanten Festschrift ›Eranos‹ zu Hofmannsthals 50. Geburtstag am 1. Februar 1924. Aufgefordert werden zunächst: Ernst Bertram, Walther Brecht, Konrad Burdach, Benedetto Croce, Ludwig von Hofmann, Ricarda Huch, Rudolf Kassner, Max Liebermann, Thomas Mann, Max Mell, Gilbert Murray, Josef Nadler, Emil Orlik, Max Reinhardt, Kurt Riezler, Rudolf Alexander Schröder, Richard Strauss, Karl Vossler, Jakob Wassermann und Heinrich Wölfflin. – Seither und bis 1936 Briefwechsel mit dem Literaturhistoriker Josef Nadler (1884-1963).
23. Dezember: Deutsche Uraufführung von ›Verkündigung‹ (mit ›Krippenspiel‹) in Darmstadt, RB ist dabei anwesend. [undefinedmehr]
Silvester: In Göttingen Zusammentreffen RBs bei Otto und Hedwig Deneke mit Hubert Breitenbach.
Pläne und Manuskripte: Intensive Dante-Arbeit, seit Juni in der Münchner Staatsbibliothek auch Vorbereitung der Anthologien ›Ewiger Vorrat deutscher Poesie‹, ›Grundvesten der Bildung Deutscher Nation‹, ›Deutsche Renaissance- und Cavalierslyrik‹, ›Deutsche Denkreden‹, ›Der Deutsche in der Landschaft‹; autobiographischer ›Brief‹ für die Hofmannsthal-Festschrift (seit November).
Veröffentlichungen: ›Mit den Schuhen‹ (Das Tage-Buch, März [undefinedmehr]), Fortsetzung der ›Schriften‹ mit den Bänden ›Walter Savage Landors Imaginäre Unterhaltungen‹ (März), ›Epilegomena zu Dante I: Einleitung in die Vita Nova‹ (April) und ›Poetische Erzählungen‹ (Sommer); außerdem erscheinen bei Rowohlt ›Die Schöpfung aus Liebe‹ (Sommer), ›Die geliebte Kleinigkeit‹ (Oktober) und in der ›Bremer Presse‹ von der Dante-Übersetzung ›Hölle‹ und ›Fegfeuer‹ (Dezember). Mitarbeit an Hofmannsthals ›Neuen Deutschen Beiträgen‹.