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Anthologie

Sappho: Fragment 31 (Voigt)

Er vermeint, er dürf es, da der, wie Gottheit
Darf, der Mann dort, gegen Dir über, welcher
Sessen ist, und nahe herzu Dein Süßhinläuten sich anhört
Und Dein Lachen zauberisches; da mir von,
Ja, das Herz aus Brüsten entfallen wäre,
Denn, Dich angesehn, in dem Hals will laut mir nichts mehr geraten,
Sondern stickt die Zunge zerbrochen, stechend
Feur im Nu kommt über der Haut gelaufen,
Vorm Gesichte nimmer nichts seh ich, drein bei gellen die Ohren,
Wird ein Schweiß, rinnt über mir aus, ein Schüttel
Durch hin wirft mich, schloherner als ein Schilfgras
Bin ich; Tods, es fehlte nicht viel, gebrochen drehen die Blicke.
Ah, zu weit Vermeßne, zurück das, halt im
Rasen, Sappho. Daß Du Dir nachläßt, quält Dich.
Nachlässig mit Königen gingen goldne Städte zu Grunde.

(Gedichte II/Übertragungen II. Hrsg. von Marie Luise Borchardt und Ulrich Ott unter Beratung von Ernst Zinn. Stuttgart: Klett-Cotta 2003 S. 171)