Arnaut Daniel
Minne und was freut, und Platz und Frist
Getrösten mich, und steh in Schutz
Mißmutes, den ich litt, da fehrt
Ich trieb auf Hasen Jagd den Ochs.
Zwar stehts mit Minnen baß und bös:
Wol Minne ich, bin des auch beglückt;
Doch Ungeminnt tritt wie wer stelzt,
So Minnen Sieg ihr starr Herz mir nicht lenkt.
Wem Habe durch Verlust gebrist,
Reich Herren küren ist ihm Nutz,
Der Einbuße ihm auf Zins verkehrt:
Armer beriete ihn keines Rocks.
Drum ich sie mir zu Herren kos
Und schwur, die Augen zugedrückt,
Wenn Minne ihrs antut und sie schmelzt,
Urfehde all anderen Frauen, in mich verschränkt.
Halb taugt, wer Freuden halb Teil mißt:
Ich habs erfahrn, ders tat, und tuts
Mir grimm durch leben halbverzehrt,
Und Rat aus Herzen nie bewogs.
Und schweigt mir Friede nicht den Tos,
Bald seh'n mich meine Freund verdrückt —
Doch hat solch Fraue mein Reis gepelzt,
Ich sterbe auch greis ihr Dienstmann, der nicht wenkt.
Ich glaube, es hängt so fest am Krist
Klausner noch Stole noch Kapuz,
Wie ich an ihr, die ich singe; und währt
Nicht bis Neujahr zum Flor des Stocks.
Ihr treu, — und hieße ich Fürsten G'noß —
Mehr denn mir, bleib ich unverrückt,
So ist mein Gedank in sie verschmelzt —
Gälte andere mir, mein Auge steh verrenkt!
Des was ich fürchte lang, genist
Mein Wahn und blüht gesundem Muts,
Seit man mich jüngst den Spruch gelehrt:
»Ein Regen darf wol Dunderschocks«;
Und halt ich streng ein fünf Jahr bloß,
Leicht wenn erst Grau den Kopf mir bückt,
Der Bürde mein, auf mich gewälzt,
Wird Rat, wenn flehendem Mann stolz Herz sich schenkt.
Aus Seufzen lang und Sucht die frißt
Ziehn mag mich Eine, drauf ich trutz, —
Wie jetzt neu Blick mich unbeschwert,
Denn mir neu Lied aus Sinnen zochs —
Ich ring Berg auf, und achts nicht groß,
Weil Sinn mir andenkt was entzückt —
»Herz, steig ich?« »Wol an, wenn Du hältst;
Folg so, daß Die ich gemeint, an Dir nichts kränkt« —
Erz höhst Du, ringerst Gold und fällst,
Eh daß Arnaut ausleben wird die er denkt.
(Gedichte II/Übertragungen II. Hrsg. von Marie Luise Borchardt und Ulrich Ott unter Beratung von Ernst Zinn. Stuttgart: Klett-Cotta 2003 S. 201f.)

