Voltaire: A Madame du Chatelet
Si vous voulez que j'aime encore,
Rendez-moi l'âge des amours;
Au crépuscule de mes jours
Rejoignez, s'il se peut, l'aurore.
Des beaux lieux où le dieu du vin
Avec l'Amour tient son empire,
Le Temps, qui me prend par la main,
M'avertit que je me retire.
De son inflexible rigueur
Tirons au moins quelque avantage.
Qui n'a pas l'esprit de son âge
De son âge a tout le malheur.
Laissons à la belle jeunesse
Ses folâtres emportements:
Nous ne vivons que deux moments;
Qu'il en soit un pour la sagesse.
Quoi! pour toujours vous me fuyez,
Tendresse, illusion, folie,
Dons du ciel, qui me consoliez
Des amertumes de la vie!
On meurt deux fois, je le vois bien:
Cesser d'aimer et d'être aimable,
C'est une mort insupportable;
Cesser de vivre, ce n'est rien.
Ainsi je déplorais la perte
Des erreurs de mes premiers ans;
Et mon âme, aux désirs ouverte,
Regrettait ses égarements.
Du ciel alors daignant descendre,
L'Amitié vint à mon secours;
Elle était peut-être aussi tendre,
Mais moins vive que les Amours.
Touché de sa beaute nouvelle,
Et de sa lumière éclairé,
Je la suivis; mais je pleurai
De ne pouvoir plus suivre qu'elle.
Voltaire: An Frau von Châtelet
Wenn Du willst, daß ich wieder glühe,
Gib mir die Jahreszeit der Glut:
Zum Dämmer, drin mein Leben ruht,
Noch ein Mal füge wieder seine Frühe.
Den Lustort, drinnen Hof und Staat
Mit Amor teilt der Gott der Reben, —
Die Zeit, die meinen Arm erbat,
Bedeutet mir, ihn aufzugeben.
Laßt uns, ihr unerbittlich Nein,
Es zu Etwas immerhin nutzen:
Die dem Geist ihrer Jahre trutzen
Trifft ihrer Jahre ganze Pein.
Belassen wir der tollen Jugend
Ihren ausgelassenen Drang.
Wir leben zwei Momente lang;
Sei denn der weisre für die Tugend.
Wie? Ihr flieht mich auf immerdar, —
Wahn, Schwärmerei, Bezauberungen,
Lust, die mein ganzer Himmel war,
Wenn mich die kalte Welt bezwungen?
Man stirbt zweimal, ich sehs auf eins:
Nicht mehr lieben und nicht gefallen, —
Das ist das schwerste Los von allen;
Nur nicht mehr leben, ist noch keins.
Also beweint ich die Jahrzehnte
Des holden Wahns, da er dahin,
Und mein Herz, das sich rückwärts sehnte,
War bang nach seinem alten Torensinn.
Da kam, und reichte mir den Arm
Vom Himmel, Freundschaft voller Gunst herunter:
Sie meint' es sicher ganz so warm
Wie Liebe, — nur sie war nicht halb so munter.
Erkennend, was sie mir erstatte, —
Gerührt von ihrer sanften Spur, —
Ging ich mit ihr; und weinte nur,
Daß ich die Wahl nicht länger hatte.
(Gedichte II/Übertragungen II. Hrsg. von Marie Luise Borchardt und Ulrich Ott unter Beratung von Ernst Zinn. Stuttgart: Klett-Cotta 2003 S. 218f.)

