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Publikationen

Rudolf Borchardt: Briefe an Marie Luise Borchardt

Text. Zwei Bände. 1917-1923 und 1923-1944. Bearb. von Gerhard Schuster. Ca. 600 und 650 Seiten, geb. jeweils ca. € 68,-. Materialien und Kommentar. Ca. 800 Seiten, geb. ca. € 78,-. ISBN 3-446-18230-6.

Testamentarisch hat Frau Marie Luise Borchardt das Konvolut der rund 250 Briefe Rudolf Borchardts an sie aus den Jahren 1917 bis 1944 sperren lassen - bis zum 10. Januar 2005. Unmittelbar danach konnte einer seit 1995 vorliegenden Beauftragung durch die Erben entsprochen werden und die Textkonstitution nach den Originalen erfolgen. Die nun bereits im Umbruchstadium vorliegenden Brieftexte und die sorgfältige Erläuterung (rund 3500 Anmerkungen) dieser Korrespondenz bringt ein selbst in der großartigen Brieflandschaft dieses Aurors singuläres Material zutage: ein Liebesbriefroman voller leidenschaftlicher Bekenntnisse und autobiographischen Rückblicke, aber auch voll der der harten Anwürfe, vielfach untermischt mit Gedichten, die als Produkte einer permanenten »Schöpfung aus Liebe« die Innigkeit dieser Beziehung beinahe rhythmisch kennzeichnen. Vom Berlin der Jahre 1918/19 über italienische Idyllenmonate (Borchardts schönste Garten- und Villenschilderungen finden sich hier!), dem München des Umsturzjahres 1923 bis zu den niemals präziseren Einschätzungen der politischen Entwicklung nach 1933 reicht der Spannungsbogen. Die detaillierte Kommentierung unternimmt es, unter Benutzung der nur lückenhaft erhaltenen Gegenbriefe und sämtlicher erreichbarer Materialien in Nachlässen und anderen Quellengruppen das Personen- und Faktengeflecht der Ereignisse unter biographischen und werkgeschichtlichen Gesichtspunkten aufzuhellen.