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Forschung

Rudolf Borchardt: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe

»Wenn die Briefe fertig sind, dann machen wir als nächstes die Werkausgabe neu - das ist auch dringend nötig«, hat Heribert Tenschert mit dem Optimismus eines echten Mäzens bereits vor zehn Jahren öffentlich kundgetan (Johannes Saltzwedel: Ein Kontinent taucht auf. In: Der Spiegel. Hamburg. Nr. 4 vom 23. Januar 1995 S. 179-182, hier 182) - und es dabei durchaus nicht belassen: Seit fünf Jahren laufen die entsprechenden Vorbereitungen, und dies parallel zur Erarbeitung der Briefkommentare, mit denen die Entstehungsgeschichte des Werks naturgemäß aufs engste verknüpft ist.

Denn die bisherige Editionssituation bei Rudolf Borchardt kann ohne Übertreibung unbefriedigend genannt werden. Das hat zum guten Teil historische und personelle Gründe, die nicht mehr diskutierbar sind - »une affaire classée«, mit Borchardt zu reden. Seit dem Erscheinen der ›Gesammelten Briefe‹ 1994, die im Urteil der Literaturkritik einen nahezu unbekannten Autor vorstellten, ist das Bedürfnis nach Konzepten für eine neue Werkausgabe dringend geworden. Konkrete Vorarbeiten dazu sind seit 2001 in Gang; ihre Ergebnisse konnten teilweise bereits in revidierte Neuausgaben von Bänden der ›Gesammelten Werke‹ eingehen (›Prosa I‹ 2002, ›Gedichte‹ 2003). [interner Link folgtmehr] Mit einem weisen Wort des Marbacher Archivgründers Bernhard Zeller: »Kleine Arbeitsschritte - in sich sinnvoll.«

Ausgehend von der archivalischen Sichtung und Verzeichnung der Überlieferung des lyrischen Werks durch Gerhard Schuster und Lars Korten mit dem Ziel einer kritischen Edition ›Sämtlicher Gedichte‹ und vor dem Hintergrund einer analytischen Neukatalogisierung sämtlicher Werkmanuskripte wird seither an der Vorbereitung einer künftigen Gesamtausgabe intensiv gearbeitet. Das Rudolf Borchardt Archiv dokumentiert die Materiallage, schafft die Voraussetzungen für Specimina der Textkritik und Kommentierung, betreut die möglichen künftigen Editoren und entwirft in Verbindung mit seinen Kooperationspartnern die notwendigen Drittmittel-Anträge. Eines der geplanten Hefte des ›Titan‹ handelt dem entsprechend ›Über die Gründe, weshalb es eine neue Borchardt-Ausgabe geben muß‹. [interner Link folgtmehr]