Johannes Saltzwedel:
»Ganz und gar aus dem Leben heraus«. Rudolf Borchardts Anthologie ›Ewiger Vorrat deutscher Poesie‹ als Ernstfall schöpferischer Restauration.
Gesetzt in der 10 ½ 13. Bembo der Monotype Ltd. von 1929. ISBN 3-92983-07-0. € 10,-. (Juni 2006)
So kühn Rudolf Borchardt seine Anthologie aus dem Jahr 1927 ›Ewiger Vorrat deutscher Poesie‹ genannt hat, so abgründig persönlich ist sie von ihm angelegt: Gegen die breite Fahrspur des Bekannt-Beliebten, aber auch gegen konkurrierende kanonische Ansprüche stellt hier ein Alleinherrscher im Reich des Dichterischen seine Vision geretteter Überlieferung – für die er wie selbstverständlich das Recht beansprucht, dem geschriebenen und gedruckten Wort sogar hier und da poetisch nachzuhelfen. Privateste Neigungen, idiosynkratisches Geschichtsbild und das Ingenium enthusiastischen Findens und Ordnens verbinden sich so zu einer Sammlung, die mindestens im gleichem Ausmaß von Borchardt stammt wie von den Autoren der einzelnen Gedichte. Ein ausführlicher Anhang zu diesem Essay kollationiert erstmals die Texte des ›Ewigen Vorrats‹, soweit auffindbar, mit ihren Quellen und weist damit Rudolf Borchardts eigenwillig divinierende Philologie bis ins Detail nach.
Der Autor: Johannes Saltzwedel (geb. 1962), studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte in Tübingen und Oxford. Neben dem Buch ›Das Gesicht der Welt. Physiognomisches Denken in der Goethezeit‹ (München: Fink 1993) hat er einige Charakteristiken und Quellenstudien veröffentlicht. Er ist Redakteur im Kulturressort des ›Spiegel‹ in Hamburg. Als ›Titan‹-Heft Nr. 2 ist von ihm 2005 erschienen: ›»Die üblichen Spiegelfechter«. Rudolf Borchardts Invektiven‹.
Gerd von der Gönna:
»De Hyla commentationem scripsit Rudolfus Borchardt«. Ein Göttinger Seminarreferat aus dem Jahr 1899. Lateinisch und deutsch. Aus dem Nachlaß herausgegeben, übersetzt und erläutert.
Gesetzt in der 10 ½ 13. Bembo der Monotype Ltd. von 1929. ISBN 3-92983-07-0. € 15,-. (Juni 2006)
Eine der frühesten überlieferten Texte Rudolf Borchardts, das für den Göttinger Latinisten Friedrich Leo (1851-1914) im Juni 1899 ausgearbeitete Seminarreferat ›De Hyla‹ - über den griechischen Hylas-Mythos - wird hier erstmals aus dem Nachlaß in seinem lateinischen Wortlaut und mit deutscher Übersetzung vorgelegt. Nicht nur als ein Beispiel für die inzwischen legendär gewordene Qualität universitärer Fertigkeiten um die Jahrhundertwende in Deutschland, sondern auch als der »Keim« eines stofflichen und methodischen Interesses bei Rudolf Borchardt, der für sich selbst lebenslang um den Ausgleich von ›Dichten‹ und ›Forschen‹ bemüht war. Neben einer detaillierten philologischen Kommentierung zeigt der Herausgeber vor allem die wissenschaftsgeschichtlichen Bezüge auf, in denen selbst diese Studentenarbeit schon steht – als gedachtes Bruchstück einer nie eingereichten Dissertation und zugleich ein Beispiel für Rudolf Borchardts Rezeption altphilologischen Tagesdiskussion über die Properz-Ausgabe des jüdischen Berliner Gelehrten Max Rothstein (1859-1941).
Der Autor: Studiendirektor i. R. Gerd von der Gönna, u. a. Übersetzer und Kommentator von Giovanni Pico della Mirandolas (1463-1494) ›Rede über die Würde des Menschen/Oratio de hominis dignitate‹. Lateinisch und deutsch. Auf der Grundlage der editio princeps (Stuttgart: Reclam 1997; Reclams Universal-Bibliothek Nr. 9658) und zusammen mit Erika Simon auch Nachlaßeditor der ›Homerischen Hymnen‹ in der Übertragung und mit Einführung und Erläuterungen von Karl Arno Pfeiff (Tübingen: Stauffenburg-Verlag 2002; Ad fontes Band 8). Für die ›Borchardt Forschungen‹ in Vorbereitung befindet sich die von ihm besorgte Edition des Briefwechsels zwischen Rudolf Borchardt und den ›Süddeutschen Monatsheften‹ aus den Jahren 1908 bis 1943, darunter die vollständige Korrespondenz mit Josef Hofmiller, Paul Nikolaus Cossmann und Arthur Hübscher mit allen zugehörigen Dokumenten.
Friedhelm Kemp:
»Verkannte Dichter unter uns?« Rudolf Borchardt und Konrad Weiss. Dokumente einer Begegnung 1921-1943.
Gesetzt in der 10 ½ 13. Bembo der Monotype Ltd. von 1929. ISBN 3-92983-07-0. € 15,-. (September 2006)
Rudolf Borchardt hat dem »Dichter«, wie er ihn verstand, nicht nur in der Geschichte der europäischen Kulturen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert nachgespürt, sondern ihn auch als Zeitgenossen immer wieder aufgefunden: in Stefan George, Hugo von Hofmannsthal oder Rudolf Alexander Schröder, deren jeweilige seiiner Beziehungen, wie immer konfliktgeladen, inzwischen reich dokumentiert sind, aber auch in Gestalten wie den Lyriker und Prosa-Autor Konrad Weiss (1880-1940). Über Jahre verfolgt Borchardt sein Schreiben, steht dann mit ihm als einem Redakteur der ›Münchner Neuesten Nachrichten‹ in loser Verbindung steht, nimmt seine Lyrik und Prosa genauestens zur Kenntnis und kann aus ihnen, bis in seine letzten Lebensjahre, ganz unvermutet zitieren. Als der beste Kenner des Werkes von Konrad Weiss rekonstruiert Friedhelm Kemp diese Zusammenhänge und zeigt anhand unveröffentlichter Dokumente, wie Rudolf Borchardts »Inbild« von Konrad Weiss seinem eigenen Suchen nach dem »verkannten Dichter« der eigenen Mitzeit entspricht.
Der Autor: Friedhelm Kemp (geb. 1914), langjähriger Lektor des Kösel-Verlags und dann Leiter der literarischen Abteilung des Bayerischen Rundfunks, zugleich Übersetzer, Herausgeber und Essayist. 1996 ›Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres‹, 1998 Träger des ›Joseph-Breitbach-Preises‹. Zuletzt erschien sein umfassendes Werk ›Das europäische Sonett‹ (Göttingen: Wallstein 2002; Münchener Universitätsschriften. Münchener Komparatistische Studien, hrsg. von Henrik Birus, Band 1-2). Als Nachlaßverwalter von Konrad Weiss u. a. auch Herausgeber zahlreicher Editionen gerade dieses Autors; im Falle Borchardts, dessen Oeuvre er sich seit Jahrzehnten widmet, veröffentlichte er gemeinsam mit Gerhard Schuster die Dokumentation ›Vivian. Briefe, Gedichte, Entwürfe 1901-1920‹ (Marbach am Neckar 1985, Marbacher Schriften Band 25) und ergänzte den Band ›Die Entdeckung Amerikas. Rudolf Borchardt und Edna St. Vincent Millay. Gedichte, Übertragungen, Essays‹ (München: Lyrik Kabinett 2004; Lyrik Kabinett Band 4) mit einem Beitrag. Friedhelm Kemp, dessen zahlreiche Veröffentlichungen durch zwei Personalbibliographien (1984, 1994) erschlossen werden, lebt als Honorarprofessor für Komparatistik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Gerhard Schuster:
»Das Land hat keine Kinder und kein Licht«. Die Malerin Karoline Borchardt geb. Ehrmann (1873-1944). Mit einem Beitrag von Caroline Saltzwedel zum künstlerischen Werk.
Gesetzt in der 10 ½ 13. Bembo der Monotype Ltd. von 1929. ISBN 3-92983-07-0. € 15,-. (September 2006)
Rudolf Borchardt erste Frau, von der er sich 1919 trennte, hat in der bisherigen Forschung kaum Beachtung gefunden. Nach jahrelangen Recherchen gelang es, ihren Nachlaß wiederaufzufinden, die Personenbeziehungen der aus Heidelberg stammenden Künstlerin - befreundet u.a. mit Gabriele Münter und Wassily Kandinsky - zu rekonstruieren und ihren Lebensweg nach der Scheidung von Borchardt als Mitarbeiterin der Bremer Presse zu verfolgen - bis zu ihrer Deportation aus München in das Konzentrationslager Theresienstadt im Juli 1942. Neben zahlreichen unbekannten Photographien bietet das Heft auch eine mehrfarbig gedruckte Übersicht der wichtigsten künstlerischen Arbeiten von Karoline Borchardt.
Die Autoren: Gerhard Schuster (geb. 1956), Honorarprofessor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, leitet das Rudolf Borchardt Archiv in Rotthalmünster. Herausgeber zahlreicher Editionen und Dokumentationen, u. a. zu Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Gottfried Benn und Rudolf Borchardt. - Caroline Saltzwedel, in Großbritannien geboren, promovierte in Oxford über Paul Celan, übersetzte mehrere kunsthistorische Bücher ins Englische und studierte Druckgraphik an der ›Ruskin School of Fine Art‹ in Oxford bei Jean Lodge. Seit 1995 als Graphikerin und Malerin in Hamburg ansässig, gründete sie dort die ›Hirundo Press‹ für Künstlerbücher in kleinen Editionen. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen (www.hirundo-press.com).

