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Anthologie

Thomas Kling: »Eine Caprigrotte voll mit den beklopptesten Einfällen«

Dante-Masken der Moderne. Pound. Nahm den Mund immer gerne voll. 1910 (nun gut: ein Fünfundzwanzigjähriger) probiert er, expressis verbis, schon mal die Dante-Maske auf, bißchen groß, mal weitersehen. Nachzulesen ist das in seinem Gedicht ›Histrione‹. Das sind Jahre, in denen George in Schwabing Dante-Installationen durchführt. George, der auf seinem Tessiner Totenbett noch einmal seinen rheinhessischen Dialekt sprach. Aus dessen Einflußsphäre noch Borchardts Dante-Adaption, Dantes Comedia deutsch, stammt. Rudolf Borchardt? Georges Marathon-Mann. Die dritte Dantemaske einer restaurativen Moderne. Zutiefst neuromantisches Projektions-Modell einer wilhelminisch unterfütterten Italien-Mittelalter-Sehnsucht. Sozusagen eine Caprigrotte voll mit den beklopptesten Einfällen! Abgefahrene Sprachstrecken, die zum Sprachschinken, zum reinen Kostümfilm, häppchenweise genießbar nur, sich ballen. Reingucken, gerne. Soll mir aber keiner (Jörg Drews schon gar nicht) erzählen, er hätt´s gelesen.

(Botenstoffe. Köln: DuMont Buchverlag 2001 S. 138)