1936
Januar bis April: Verhandlungen mit dem Wiener Phaidon-Verlag, bei dem statt zwei geplanter Bände mit Übersetzungen nur die (nicht von RB zusammengestellte) Sammlung mit Übersetzungen nach ›Englischen Dichtern‹ erscheint.
3. Mai: Besuch von Ludwig Curtius und Heinrich Bodmer in der Villa Bernardini.
11. bis 13. Mai: Aufenthalt von Herbert Steiner. Die Veröffentlichung von ›Pisa‹ in den ›Schriften der Corona‹ wird von diesem zur Vermeidung von deutschen Zensureinsprüchen seither absichtsvoll verzögert (bis Oktober 1938).
22. Oktober bis 2. November: Abschluß des Romans ›Vereinigung durch den Feind hindurch‹. Durch den Schwager Peter Voigt (1899-1950) Verbindung mit dem Verleger Gottfried Bermann Fischer in Wien.
Dezember: Aufenthalt bei Marion Baronin Franchetti in Florenz. Schlechter Gesundheitszustand RBs. Begegnung mit dem Verleger Leo S. Olschki.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an einer Erweiterung des ›Durant‹; weitere ›Jamben‹ entstehen, wegen ihrer Drucklegung Verhandlungen mit der Johannes-Presse in Wien. Autobiographische ›Aufzeichnung Stefan George betreffend‹ (Oktober), Verse ›In Coronas Album‹.
Veröffentlichungen: Übertragungen nach Voltaire und Swinburne in der Anthologie ›Die schönsten Gedichte der Weltliteratur‹, hrsg. von Ludwig Goldscheider (Wien: Phaidon, Juli), ›Englische Dichter‹ (Wien: Phaidon, Oktober).
1937
seit Januar: Drucklegung des Romans ›Vereinigung durch den Feind hindurch‹. Korrespondenz mit dem Freund Rudolf Gaberel und mit Franz Blei.
17. März: Negatives Gesamturteil an Unbekannt über die Hofmannsthalschen Nachlaßpublikationen bei Fischer.
nach 22. März: Bei einem Aufenthalt in der Villa Torre di Bellosguardo in Florenz zufällige Begegnung mit Joseph W. Hambuechen (1884-1982), Bankhaus Michelis & Co. in Zürich. Mit diesem ein Optionsvertrag auf künftige Werke und Vorschüsse für ein Gartenbuch verabredet.
April: In Florenz Leidenschaft für die junge Klothilde (»Cloclo«) Brewster, eine Enkelin des Bildhauers Adolf von Hildebrand.
Mai: Begegnung mit dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern.
9. Juni: RBs 60. Geburtstag.
27. August: Ludwig Curtius wird als Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts von Hitler in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.
Oktober: Vorläufiger Abschluß des Gartenbuchs.
November: Verhandlungen mit Dr. Lothar Mohrenwitz, »Literary and Dramatic Agent« in London, für eine englische Ausgabe des Gartenbuchs. Briefentwürfe an Karl Foerster in Potsdam-Bornim.
seit 5. Dezember (bis Anfang April 1938): Deutschlandreise von Marie Luise Borchardt zur Gewinnung von ›paying guests‹ aus der guten Gesellschaft (Bremen, Hamburg, Berlin, München u.a.).
Pläne und Manuskripte: Selbstverlagspläne wie in den vergangenen und künftigen Jahren. ›Der leidenschaftliche Gärtner‹, Gedichte ›Bellosguardo degli Amanti‹ (seit April), ›An Marion. Zum 15. Mai 1937‹, Stanzas to Cynthia [Walk]‹ (September), Sappho-Studien: Essay ›Die Tonscherbe‹ (nach Juni?), ›Sapphos Lied an Aphrodite‹. [
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Veröffentlichungen: ›Schröders Horaz‹ (Corona, Januar) als letzter Beitrag in dieser Zeitschrift. ›Staufer. Tragische Pentalogie. I.: Alpenübergang‹ (München: Deschler, Frühjahr). Der Roman ›Vereinigung durch den Feind hindurch‹ (Wien: Bermann Fischer, März).
1938
26. Januar: Rudolf Alexander Schröders 60. Geburtstag.
13. Februar, 6. und 23. März: Der Romanistik-Student Karl Eugen Gass (1912-1944), ein Schüler von Ernst Robert Curtius in Heidelberg, als Besucher bei RB in Saltocchio; dessen Aufzeichnungen über ihre Gespräche im postum veröffentlichten ›Pisaner Tagebuch‹ (Hrsg. von Paul Egon Hübinger. Heidelberg: Lambert Schneider 1961). [
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seit Mitte März: Franz Blei, nach dem »Anschluß« Österreichs aus Wien emigriert, bis Februar 1939 als Wohngast in der Villa Bernardini. Anfang April: Rückkehr von Marie Luise Borchardt aus Deutschland.
Oktober: Besuch der Königin Margherita von Italien in der Villa Bernardini.
10. November bis Anfang Dezember: Der Bruder Philipp Borchardt, Oberingenieur und Prokurist in der Firma Linde in München, wird im Konzentrationslager Dachau inhaftiert.
Pläne und Manuskripte: Polemik ›Zum Attentätertum in der Literarkritik‹ [gegen Fritz Brügel] (Januar), die englisch geschriebene politische Schrift ›Interregnum‹ angeblich fast vollendet. Arbeit an der Monographie ›Der leidenschaftliche Gärtner‹ (seit Mai). Plan eines Buches ›Kleopatra und ihre Zeit‹, wie ›Pisa‹ die Rekonstruktion einer »Causa Victa«.
Veröffentlichungen: ›Pisa. Ein Versuch‹ (Zürich: Verlag der Corona, Oktober).
1939
Ende Februar: Abreise von Franz Blei nach fast einjährigem Aufenthalt als Wohngast in der Villa Bernardini nach Cagnes-sur-mer und weiter nach New York.
November (zunächst bis Februar 1940): Homer-Studien RBs.
Pläne und Manuskripte: Englische Übersetzung des Gartenbuchs. Arbeit an den Werken über Homer (seit November), Cäsar und Kleopatra, Rezension über Benno Geigers ›Idyllen‹ (Juli).
Veröffentlichungen: ›Erfahrungen und Gesetze‹ (Der Bund, 5. März), ›Walter Pater. Zu seinem hundertsten Geburtstage‹ (Basler Nachrichten, 13. August).
1940
Januar: Aufenthalt RBs bei Marion Baronin Franchetti in Florenz.
Frühjahr: Aufgabe gärtnerischer Pflanzungen zugunsten des Anbaus von Nahrungsmitteln.
26. Juli: Tod des Schwagers Hans Rosenberg im Exil in Istanbul.
Pläne und Manuskripte: Homer-Studien, Essays über italienische Themen für die Zeitschrift ›Atlantis‹, darunter ›Garfagnana‹ und ›Die Apuanischen Alpen‹ (April).
1941
seit Ende Mai: Aufenthalt RBs bei Marion Baronin Franchetti in Florenz. Begegnungen mit Rupprecht Kronprinz von Bayern, der seit 1939 nicht mehr nach Deutschland einreisen darf.
4. Juni: Tod Kaiser Wilhelms II. in Doorn.
Sommer: Briefentwürfe an Karl Foerster, Max Rychner, Rudolf Alexander Schröder, Heinrich Zimmer, Werner Jaeger.
Dezember: Karoline Borchardt wird als Jüdin im Lager München-Milbertshofen interniert; Rudolf Alexander Schröder bemüht sich vergeblich um Hilfe.
Pläne und Manuskripte: Gedichte ›Der Abschied vom Kaiser‹ (30. Juni bis 7. August), ›Marel von Viareggio kommend‹ (3. September).
1942
27. Januar: Der am 27. Januar 1937 vom Konsulat in Livorno (ohne Überprüfung durch einen »Ahnenpaß«) ausgestellte Reisepaß RBs verliert seine Gültigkeit.
27. Mai: Korrespondenz mit Benedetto Croce wiederaufgenommen.
10. Juli: Tod von Franz Blei im Exil auf Westbury Island/N.Y.
15. Juli: Karoline Borchardt wird von München nach Theresienstadt deportiert.
12. September: Brief RBs an Hans Feist mit verklausulierter Erkundigung nach dem Schicksal von Familienmitgliedern.
Oktober (und Dezember): Aufenthalt bei Marion Baronin Franchetti in Florenz.
20. Oktober: Die Münchner Freundin Luise Politzer (geb. 1875) emigriert nach Kuba.
November: Hans Feist bemüht sich von der Schweiz aus um Publikationsmöglichkeiten für RB.
zum Jahresende: Verkauf der Villa Bernardini durch die Marchesi Mansi an den Genueser Reeder Marino Querci.
Pläne und Manuskripte: Erneut Arbeit an den ›Epilegomena zu Homeros und Homer‹ (Januar), ›Cäsars Gallischer Krieg‹ (Frühjahr), ›Catull‹, der Zusammenstellung des Bandes ›Argomenti italiani e italici‹.
Veröffentlichungen: Abdruck des übersetzten Essays ›Benedetto Croce‹ von 1925 in ›L'opera filosofica, storica e letteraria di Benedetto Croce‹ (Bari: Laterza, Februar), Abschnitte aus dem Gartenbuch ›Der Mensch und die Blume‹ als letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten (Neue Zürcher Zeitung, 30. August und 13. September).
1943
zum 1. Januar: Umzug der Familie Borchardt von Saltocchio nach Forte dei Marmi, Villa Pallavicino, Viale Morin Nr. 80b. Dort regelmäßige Begegnungen mit dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern, der sich in dem Badeort incognito aufhält.
15. März: Freitod der Mutter Rose Borchardt in Berlin im Alter von 89 Jahren, aus Angst vor Deportation.
Pläne und Manuskripte: Gedichte ›Eine Ballade vom König und vom Käse‹ [für Kronprinz Rupprecht von Bayern], »Hier sind Deine beiden Kissen...« (8. Dezember) und »Denke nie so oft im raschen...« an Marie Luise Borchardt, Abhandlung ›Die Dorer‹(?), Erinnerungen ›Frühstück zu acht Gedecken‹, ›Zur deutschen Judenfrage. Zu Josef Nadlers Literaturgeschichte‹(?), Hoffnung auf eine Werkausgabe in der Schweiz.
1944
vor 4. Januar: Tod von Karoline Borchardt im Konzentrationslager Theresienstadt.
April: Nach kriegsbedingter Evakuierung des Küstenstreifens bei Forte dei Marmi Übersiedlung der Familie Borchardt nach S. Michele di Moriano bei Lucca, Villa Castoldi.
27. Juli: Zerstörung des ›Campo Santo‹ in Pisa durch alliierte Bombardierung.
4. August: »Befreiung« von Florenz durch die Aliierten. In diesen Wochen entsteht das Tagebuch der Tochter Corona Borchardt (1923-1999).
31. August: Nach einem Fluchtversuch Verhaftung und Transport der Familie als Gefangene der deutschen Wehrmacht über Modena, Mantua und Verona nach Innsbruck.
13. September: Freilassung in Innsbruck, unter nicht restlos geklärten Umständen. Die Familie wohnt im Hotel ›Speckbacher Hof‹, Maximilianstraße 47.
16. September: Letzte Begegnung mit Rudolf Alexander Schröder.
vor 24. Oktober: Ankunft in Trins/Tirol. Unterkunft im Hotel ›Trinserhof‹.
seit Oktober: Verkehr mit Ludwig Wolde, der in Gries am Brenner lebt. Austausch RBs u. a. mit dem österreichischen Staatsrechtler Prof. Dr. Ferdinand Kadecka (1874-1964).
Pläne und Manuskripte: ›Friedrich Leo‹ (Januar), ›Aufzeichnung. Vierzehn Punkte‹ (9. Januar), Gedicht »Sage nicht, dass ich in die Gewöhnung...« an Marie Luise Borchardt (26. Februar), ›Der Untergang der deutschen Nation‹ (zurückgelassen im August), ›Anabasis‹ (September), rekonstruierende Arbeit am Homer-Buch bis Januar 1945. Verse »Ich bin der alte Nikolas...« (zum 6. Dezember) und letztes Gedicht »Wir haben keine Kerzen|Nur einen düstern Baum...« [postum unter dem Titel ›Weihnachten 1944‹] zum 24. Dezember.
1945
10. Januar: Rudolf Borchardt stirbt an einem Herzversagen; Begräbnis durch den in Innsbruck amtierenden protestantischen Pfarrer Hermann Weber (1903-1988) am 13. Januar außerhalb des (damaligen) Friedhofs hinter der Trinser Dorfkirche St. Georg.

