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Chronik

1924

bis Ende Januar: Vorbereitung der ›Eranos‹-Festschrift zu Hofmannsthals 50. Geburtstag; nach ihrer Überreichung am 1. Februar Verstimmung zwischen RB und Hofmannsthal. Korrespondenzpause bis 1927.
4. Februar: In München auf Einladung der literarischen Vereinigung ›Die Argonauten‹ die Rede ›Die Wiederherstellung der Welt und des Menschen‹.
seit Frühjahr: Übersetzungsarbeit am ›Paradiso‹ Dantes.
9. April: Erneuerter Vertrag zwischen Rowohlt und der ›Bremer Presse‹ zur Gewährleistung regelmäßiger Einkünfte RBs.
April/Mai: Plan einer Griechenlandreise mit Marie Luise Borchardt, zunächst verschoben auf September 1924, dann auf März 1925; noch im Sommer 1933 als Plan erörtert.
seit Ende Juli bis Oktober: RB wohnt im Hotel Gartenheim, Ludwigstraße 22a. Verbindungen zur Tagespresse (Münchner Neueste Nachrichten, Deutsche Allgemeine Zeitung) als regelmäßiger Beiträger angestrebt und erreicht.
Oktober: Aufbruch der Familie nach Italien, bis Ende des Jahres Aufenthalt in Asolo bei Treviso im Albergo ›Al Sole‹. Erkrankung RBs an Gelbsucht; Absage der in Zürich für den 24. November auf Einladung Martin Bodmers angesetzten Rede ›Über Dichten und Forschen‹.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an der Übersetzung des ›Paradso‹ und einer Ausgabe deutscher Renaissancelyrik; Vorbereitung der Anthologie ›Ewiger Vorrat deutscher Poesie‹; Essayband ›Aus der Werkstatt des deutschen Dante‹. Niederschrift der ›Klage der Daphne‹ (Frühjahr), Gedicht »Vergebt mir ihr Mächte die Fülle der Freuden...«, Rezension ›Croces Italienische Geschichte‹.
Veröffentlichungen: Autobiographischer ›Brief‹ und Epyllion ›Der ruhende Herakles‹ in der Festschrift ›Eranos‹ (München: Bremer Presse, ausgeliefert im Juni). ›Gefahren für die deutsche Wissenschaft. Eine Entgegnung‹ gegen den Akademie-Präsidenten Max von Gruber (Münchner Neueste Nachrichten, 10. September). Mit dem Band ›Vermischte Gedichte‹ (Juni) wird die Ausgabe der ›Schriften‹ bei Rowohlt abgebrochen. In der ›Bremer Presse‹ erscheinen ›Der ruhende Herakles‹ (Februar), ›Über den Dichter und das Dichterische‹ (München: Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde [März]), ›Die Klage der Daphne‹ (Berlin: Rowohlt [Mai]), ›Die grossen Trobadors‹ und ›Altionische Götterlieder unter dem Namen Homers‹ (Dezember).

1925

ab Januar (bis März 1931): Wohnsitz Villa Chiappelli (Villa di Bigiano) in S. Alessio/Candeglia bei Pistoia.
3. März: In Zürich auf Einladung des ›Lesezirkels Hottingen‹ die Rede ›Über Dichten und Forschen‹. [undefinedmehr] Gast von Martin und Alice Bodmer. Seither auch Korrespondenz mit Max Rychner (1897-1965), dem Herausgeber der ›Neuen Schweizer Rundschau‹.
1. Mai: Die Einladung der Berliner Journalisten Willy Haas zur künftigen Mitarbeit an der ›Literarischen Welt‹ bleibt unbeantwortet.
2.-5. Mai: Besuch von Willy Wiegand zur Beratung künftiger Publikationen in der Bremer Presse, von Jakob Wassermann und dem Kunsthistoriker Alfred Neumann. Werner Kraft wird an der Universität Frankfurt/Main bei Franz Schultz mit einer Arbeit über ›Die Päpstin Jutta. Eine motivgeschichtliche Untersuchung‹ promoviert. – Ausgedehnte Gartenfreuden.
7. bis 16. Dezember: Briefwechsel mit Henri Buriot-Darsiles (veröffentlicht 1927) über dessen geplante und von RB mit Gründen abgelehnte französische ›Joram‹-Übersetzung.
Pläne und Manuskripte: ›Schiller und Kleist‹ [über die deutsche Ausgabe von Croces ›Poesia e non Poesia‹ (Bari: Laterza 1923)], ›Notizblatt zum Don Quixotte‹ (Juni), Nachwort zum ›Ewigen Vorrat deutscher Poesie‹ (August).
Veröffentlichungen: Aufsätze ›Benedetto Croce‹ (Januar), ›Rudolf Borchardt über Dichten und Forschen‹ (Neue Zürcher Zeitung, 8. März), ›Ausgewählte Werke 1900-1918‹ bei Rowohlt (Juni). In der ›Bremer Presse‹ erscheinen: ›Hartman von Aue. Der Arme Heinrich‹ (Juli), ›Ein neues Gartenbuch‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 7. Oktober), als Buchausgabe unter dem Titel Gartenphantasie‹ (Dezember), ›Deutsche Denkreden‹ (Dezember).

1926

seit Januar: Hugo Schäfer bereitet eine Nummer der ›Literarischen Welt‹ mit (unautorisierten) Beiträgen RBs vor, die am 9. April erscheint.
21. Mai: In einer Umfrage der ›Literarischen Welt‹ zum Thema ›Welche Dichter gehören in die Sektion für Dichtkunst der Akademie‹ erscheint RB von 27 Autoren auf Platz vier, nach Thomas Mann (1421), Franz Werfel (682) und Gerhart Hauptmann (594), gefolgt von Stefan George (450), Alfred Döblin (402), Rainer Maria Rilke (384), Hermann Hesse (362); Hofmannsthal erhält 169, Bertolt Brecht 120 Stimmen.
6. bis 10. Juni: Besuch von Willy Wiegand in der Villa di Bigiano, wiederholt nach 27. September/vor 6. Oktober.
September: Korrespondenz mit Otto Heuschele.
9. November: Geburt des Sohnes Johann Gottfried in der Villa di Bigiano.
November: Korrespondenz mit Thomas Mann, Ablehnung einer Mitgliedschaft in der ›Preußischen Akademie der Künste (Sektion für Dichtkunst)‹.
um 24. Dezember: Besuch von Ludwig Curtius und Edith Curtius gesch. von Fransecky geb. von Wyneken; Curtius übernimmt im Frühjahr 1927 die Direktion des ›Deutschen Archäologischen Instituts‹ in Rom.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an der Übersetzung des ›Paradiso‹, Vorbereitung der Rede-Kampagne 1927, die autobiographischen Aufzeichnungen ›Rudolf Borchardts Leben von ihm selbst erzählt‹ begonnen, Nachwort zur zweiten Auflage des ›Swinburne deutsch‹, Nekrolog auf Wolf Przygode (1896-1927), Gedicht »Muse du schaffst mirs ich meld´ es...« [postum unter dem Titel ›Idas und Marpessa‹], Essay ›»Cahors«‹.
Veröffentlichungen: Essays ›Notizblatt zum Don Quixote‹ (Der Lesezirkel, Februar), Borchardt-Nummer der ›Literarischen Welt‹, darin ohne Autorisation das 1897 entstandene Gedicht ›Dur (Junge Frau). Aus dem Altholländischen‹, der Essay ›Öffentlicher Geist‹ von 1916 und das Faksimile der ersten Strophe des Gedichts ›Mit einer griechischen Kette‹ aus der Sammlung ›Die Schöpfung aus Liebe‹; außerdem Beiträgen von Hugo Schäfer (›Stunden mit Rudolf Borchardt‹), Karl Vossler (›Über Rudolf Borchardt‹), Jakob Wassermann (›Über Rudolf Borchardt‹), Hans Heinrich Schaeder (›Rudolf Borchardt als Lehrer‹), Thomas Mann (›Über Rudolf Borchardt‹) und Eduard Korrodi (›Borchardts »Gartenphantasie«‹ (9. April), ›Dichtung und Christentum‹ (Ostwart-Jahrbuch, geschrieben im Mai), ›Verkannte Dichter unter uns?‹ (Neue Zürcher Zeitung, 18. April), ›Moderne Dante-Unterschiebungen‹, (Neue Zürcher Zeitung, 4. Juni), ›Notizblatt zum Don Quichote‹ (Der Lesezirkel, Juni), ›Hälfte des Lebens‹/›Hölderlin und endlich ein Ende. An den Herausgeber der Neuen Zürcher Zeitung‹ (20. Juni), in der Bremer Presse: ›Ewiger Vorrat deutscher Poesie‹ (April), Prospekt zur Luther-Bibel (Juni).

1927

seit Januar: Bemühungen mit Willy Wiegand (und gegen Thomas Manns Kandidaten Ernst Bertram) um die Lancierung von Josef Nadler bei der Lehrstuhlnachfolge Franz Munckers in München; schließlich erreicht Hofmannsthal im Alleingang die Berufung des Kompromißkandidaten Walther Brecht.
31. Januar: In Zürich auf Einladung des ›Lesezirkels Hottingen‹ die Rede ›Giovanni Pisano und Arnaut Daniel als Schöpfer der modernen Seelenform Europas/Mittelalterliche Altertumswissenschaft‹.
1. Februar: In Basel auf Einladung der ›Studentenschaft‹ die Rede ›Der Kampf um den deutschen Dante‹.
4. Februar: In Freiburg auf Einladung der ›Akademisch-literarischen Gesellschaft‹ die Rede ›Der Dichter und die Geschichte‹.
6. Februar: In Marburg auf Einladung der ›Literarischen Gesellschaft e.V.‹ die Rede ›Die geistesgeschichtliche Bedeutung des 19. Jahrhunderts‹. Einzige Begegnung RBs mit dem klassischen Philologen Paul Friedländer (1882-1968).
21. und 27. Februar: In Bremen auf Einladung der G.A. von Halem´schen Export- und Verlagsbuchhandlung A.G. die Doppelrede ›Die Antike und der deutsche Völkergeist‹. Aufenthalt bei Rudolf Alexander Schröder.
28. Februar bis 2. März: Gemeinsam mit Schröder Reise zu Josef Nadler nach Königsberg, danach in Berlin.
9. März bis 26. April: Aufenthalt in München, ›Hotel Marienbad‹. Auf Einladung der literarischen Vereinigung ›Die Argonauten‹ die Rede ›Schöpferische Restauration‹ (9. März). [undefinedmehr]
7. April: Verlagsvertrag mit Reinhard Piper über die begonnene Autobiographie und den Band ›10 Parolen. Reden eines Monats‹.
seit Ende April: Durch Hinweis von Hans Feist (1887-1952) Verbindung mit dem Horen-Verlag von Hanns Martin Elster (1888-1983) in Berlin.
5. Mai: Eintägiger Besuch von Werner Kraft aus Florenz, wiederholt am 25./26. August; ein Bericht in dessen Erinnerungen ›Spiegelung der Jugend‹ (Frankfurt/Main: Suhrkamp 1973). [undefinedmehr]
Mitte Mai: Mehrtägiger Aufenthalt von Martin und Alice Bodmer mit Herbert Steiner in der Villa di Bigiano zur Beratung künftiger Zusammenarbeit mit RB.
9. Juni: Auf Veranlassung von Willy Wiegand zum 50. Geburtstag RBs Zusammenstellung einer Kassette mit brieflichen Glückwünschen des Freundeskreises.
10. Dezember: In Florenz auf Einladung des ›Deutschen Kunsthistorischen Instituts‹ die Rede ›Kunstgeschichte und mittelalterliche Altertumswissenschaft‹. Seither Freundschaft mit Baronin Marion Franchetti geb. Freiin von Hornstein-Hohenstoffeln (1870-1948). Nur selten Verbindung zur deutschen Kolonie in Florenz (Otto von Hopfen, Bruno Stiller, Robert Davidsohn, Heinrich Bodmer, Gisella Selden-Goth u.a.)
Pläne und Manuskripte: Zusammenstellung des Essaybandes ›Handlungen und Abhandlungen‹ mit erläuternden ›Noten‹ für den Horen-Verlag, Erzählung ›Die neue Dido‹ (April), Gedicht ›Jeder Mann der Seinen‹ (28. Mai).
Veröffentlichungen: ›Rudolf Borchardts Leben von ihm selbst erzählt‹ (Münchner Neueste Nachrichten, Einzelfolgen von Januar 1927 bis August 1928), ›Das Theater und die Poesie‹ (Magdeburgische Zeitung, 29. Mai), Briefwechsel mit Henri Buriot-Darsiles (Revue de l´enseignement des langues vivantes, Juni/Juli), ›Porphyrias Buhle‹ nach Robert Browning (Neue Schweizer Rundschau, September), ›Aus einem südlichen Garten‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 24. November), ›Der Deutsche in der Landschaft‹ (München: Bremer Presse, November). Beiträge in der Zeitschrift ›Die Horen‹, bis 1930. Essayband ›Handlungen und Abhandlungen‹ (Berlin: Horen-Verlag 1928, ausgeliefert Dezember).

1928

seit Januar: Erscheinen der von Heinrich von Gleichen hrsg. Zeitschrift ›Der Ring‹; Mitarbeiterschaft RBs.
26. Januar: Fünfzigster Geburtstag von Rudolf Alexander Schröder.
20. März: In Bremen Geburt des Sohnes Christoph Cornelius.
1. April: Ansprache vor Stipendiaten des ›Deutschen Kunsthistorischen Instituts‹ Florenz in der Villa di Bigiano. Freundschaft mit dem Direktor Dr. Heinrich Bodmer.

4. April: Abschluß der ›Paradiso‹-Übertragung und damit Vollendung des 1904 begonnenen ›Deutschen Dante‹.

21. bis 24. April: Aufenthalt von Hans Wilke Freiherr von Bodenhausen-Degener und seiner Frau Anga geb. Gräfin von Douglas. Der Plan eines Gedenkbuchs für den Vater Eberhard von Bodenhausen aus Anlaß des zehnjährigen Todestages wird mit RB erneut erörtert.

28. April: In Florenz auf Einladung der ›Terza Fiera Internationale del Libro‹ die Rede ›Vicenda secolare e stato attuale della traduzione di Dante in Germania‹.

27. und 28. April: Pfingstbesuch von Herbert Steiner. Mitarbeit an der Zeitschrift ›Corona‹ beraten.

Juni: Auf Betreiben Schröders Vereinbarung mit Martin Bodmer über die auf 100 Exemplare limitierten ›Drucke Borchardtscher Dichtungen und Schriften‹, dadurch für vier Jahre garantierte Monatszahlungen.

15. Juni: Willy Haas veröffentlicht in der ›Literarischen Welt‹ die Polemik ›Vom Tage für den Tag‹ gegen RBs angebliche Verleugnung seines Judentums.

seit Ende Juni: Erster Italien-Besuch Rudolf Alexander Schröders bei RB nach dem Krieg.

vor 27. August: Aufenthalt RBs in Rom zur Klärung seiner Besteuerung als Auslandsdeutscher.

Dezember (bis Ende März 1929): Deutschland-Aufenthalt.

6. Dezember: In München auf Einladung des ›Euckenbundes‹ die Rede ›Die Entwertung des Kulturbegriffs. Ein Unglück und ein Glück‹. Aufenthalt bis 22. Dezember.

Weihnachten: Mit der Familie in Bremen.

Pläne und Manuskripte: Fortsetzung der Autobiographie, Erzählungen ›Die Begegnung mit dem Toten‹ [Reminiszenz an Eberhard von Bodenhausen], ›Der bestrafte Leichtsinn‹ und ›Der Hausbesuch‹ (Oktober), ›Das Gespenst‹ (November).  Gedichte »Das Silber fällt...« zu Georg und Toni Schüttes Silberner Hochzeit, ›Rund ums Jahr‹ (Herbst), ›Lichterblickungs Lied‹ zur Geburt von Daniel Christoph Bodmer (9. November), ›Epiphanias‹ (Dezember).

Veröffentlichungen: ›Dante‹ (Königsberger Allgemeine Zeitung, 29. April), ›Dante Gabriel Rossetti. Zum 100. Geburtstag‹ (Deutsche Allgemeine Zeitung, 11. Mai), ›Die Antike und der deutsche Völkergeist‹ (Die Horen, Juni/Juli), ›Mittelalterliche Kunstwissenschaft. Arnaut Daniel und Giovanni Pisano als Schöpfer der modernen Seelenform Europas‹ (Neue Schweizer Rundschau, August), ›Der Dichter und seine Zeit. Die Gestalt Stefan Georges‹ (Deutsche Allgemeine Zeitung, 19. August), ›Baccalaureus über Faust. Eine Abrechnung mit der grünen Literatur‹ (ebd., 24. August), ›Ein großer Journalist‹ [Nekrolog auf Hans Trog, gestorben 10. Juli] (Münchner Neueste Nachrichten, 2. September), ›Deutsche Reisende‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 3. Dezember). Zweite Auflage der ›Schöpfung aus Liebe‹ (Berlin: Horen-Verlag, Mai).

1929

15. Januar: In Bremen vormittags auf Einladung der ›Freunde des humanistischen Gymnasiums‹ und des ›Bremer Philosophenvereins‹ die Rede ›Die Schlacht von Aktium. Eine Geisteswende‹, abends in Verden/Aller auf Einladung des ›Vereins für Kunst und Wissenschaft‹ die Rede ›Der Zerfall des Kulturbegriffs‹.
8. Februar: In Bremen auf Einladung der G.A. von Halem´schen Export- und Verlagsbuchhandlung die Rede ›Die Aufgaben der Zeit gegenüber der Literatur‹.
26. Februar: In Konstanz-Kreuzlingen Begegnung mit dem klassischen Philologen Werner Jaeger (1888-1961), Beginn der Korrespondenz (bis 1941).
Ende Februar: Im Ullstein-Haus Berlin ergebnislose Verlagsverhandlungen mit Max Krell, Begegnung mit Ödon von Horvath (1901-1938) und den Mitgliedern des jungkonservativen ›Herren-Clubs‹ um Heinrich von Gleichen.
17. März: In München Zusammentreffen mit Hugo und Gerty von Hofmannsthal, danach Aufenthalt bei Martin Bodmer in Zürich.
vor 28. Mai: Kurzer Nachmittagsbesuch des Ehepaars von Hofmannsthal in der Villa di Bigiano. Gleichzeitiger Aufenthalt des befreundeten Bremer Großkaufmanns Friedrich Wilhelm Oelze (1891-1978).
15. Juli: Tod Hofmannsthals in Rodaun. Teilnahme RBs an der Beisetzung vom 18. Juli. Vergebliches Engagement für eine Kritische Werkausgabe und eine Hofmannsthal-Gesellschaft.
bis Ende August: Abschluß der Dante-Korrektur, Beginn des Drucks bei der ›Bremer Presse‹.
6. Oktober: In München auf Einladung der Bayerischen Staatstheater die Rede ›Zu Hugo von Hofmannsthals ewigem Gedächtnis‹. Danach Gast Martin Bodmers in Zürich. Beratungen über die Zeitschrift ›Corona‹.
seit Dezember: Freundschaftlicher Austausch mit dem Münchner Rechtsanwalt Edgar J. Jung (1894-ermordet 1934).
Pläne und Manuskripte: Nachwort zum ›Dante deutsch‹, Erzählung ›Der unwürdige Liebhaber< (bis 15. April), Rezension ›Jahrbuch der Dichterakademie‹, Polemik ›Literarische Sykophanten‹ gegen Willy Haas (Mai), ›Zwei Preise‹ über Thomas Manns Nobelpreis (November), ›Vertikal-Europa‹, Gedichte ›Februar in Berlin‹, ›Bild der Geliebten‹, ›Als er von ihr getrennt war‹, ›Amulett‹, »Vollkommenes Wesen, das mein Leben teilt...«, ›Beim Tode von... [Hofmannsthal am 15. Juli]. An... [Marie Luise Borchardt]‹.
Veröffentlichungen: ›Epiphanias‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 6. Januar), ›Lessing. Ein Nachwort‹ (Deutsche Allgemeine Zeitung, 30. Januar und 2. Februar), offener Brief ›Rudolf Borchardt an den Herausgeber des »Ring«‹ in Sachen des eigenen Judentums (10. März), Rede ›Die Entwertung des Kulturbegriffs. Ein Unglück und ein Glück‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 20. April), Aphorismen ›Erfahrungen und Gesetze‹ (ebd., 19./20. Mai), Polemik ›Der »Fall« Neurath‹ (Deutsche Allgemeine Zeitung, 7. Juni), Gedenkaufsätze über Hofmannsthal (Neue Schweizer Rundschau, Der Ring, Münchner Neueste Nachrichten, Neue Zürcher Zeitung, Deutsche Allgemeine Zeitung, Juli und August), Aufsätze über Josef Nadlers ›Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften‹ (Neue Zürcher Zeitung, Deutsche Allgemeine Zeitung, Münchner Neueste Nachrichten, November und Dezember). ›Pindarische Gedichte‹ (München: Deschler, in Druck bis Oktober 1931), ›Das hoffnungslose Geschlecht. Vier zeitgenössische Erzählungen‹ (Berlin: Horen-Verlag, September), die umstrittene Rede ›Die Aufgaben der Zeit gegen über der Literatur‹ (Bremen: G.A. von Halem, April).

1930

Januar: In München Auseinandersetzung mit Willy Wiegand um die Auslieferung von ›Dante Comedia. Deutsch von Rudolf Borchardt‹ und eine angemessene Verlagswerbung. Bruch mit der ›Bremer Presse‹.
4. Februar: Walter Behrend, Feuilletonredakteur der ›Münchner Neuesten Nachrichten‹, erbittet eine »Artikelreihe über die gegenwärtige Zeitkultur«; daraufhin RBs Konzeption der später sog. konservativen Aufsätze (bis 1933).
Februar: Aufenthalt in Berlin. Besuch bei Konrad Burdach (1859-1936) in seiner Wohnung Schleinitzstraße 6/I im Grunewald. Begegnung mit der Schauspielerin Käthe Dorsch (1890-1957), der die »Traumrolle« der Komödie ›Pamela‹ zugedacht ist, und mit Gerty und Raimund von Hofmannsthal.
17. März: In München Ausstrahlung der auf Einladung des Bayerischen Rundfunks im Februar aufgezeichneten Radiorede ›Der deutsche Geist als Hüter des Föderalismus‹.
1. April: In Berlin auf Einladung des ›Deutschen Frauenclubs‹ die Rede ›Die Bücher der wunderbaren Jahre‹ vor geladenen Gästen.
12. bis 16. Mai: Besuch von Martin und Alice Bodmer in der Villa di Bigiano.
seit Anfang Juni: Kontakt mit konservativ-monarchistischen Gruppierungen um den Kronprinzen Rupprecht von Bayern in München. Grundgedanken der späteren Rede ›Führung‹ auf deren Anregung in Entwicklung.
Ende Juni: Heft 1 der Zeitschrift ›Corona‹ erscheint (Redaktion: Herbert Steiner).
8. Oktober: Einladung von Prof. Dr. Richard Harder zu einer Vergil-Rede an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel für Dezember.
November: Aufenthalt von Schröders Schwestern Lina Voigt und Clara Heye in der Villa di Bigiano.
5. Dezember: In Berlin auf Einladung Prof. Dr. Werner Jaegers und der ›Gesellschaft für antike Kultur‹ die Rede ›Pindar‹.
7. Dezember: In Kiel auf Einladung der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität die Rede ›Vergil‹.
15. Dezember: In Berlin auf Einladung der ›Preußischen Akademie der Künste (Sektion für Dichtkunst)‹ und des ›Germanischen Seminars‹ die Rede ›Das Geheimnis der Poesie‹. [undefinedmehr]
Ende Dezember: Korrespondenz mit Martin Buber über dessen Bibel-Übersetzung.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an der Komödie ›Pamela‹ (Ende Februar bis Ende März); ›Einleitung in das Verständnis der Pindarischen Poesie‹ (Juni und Juli). Als zweiter Band der Bodmer-Drucke eine Sammlung der Reden vorgesehen. Hofmannsthal-Biographie mit S. Fischer verhandelt. Essay ›Pseudognostische Geschichtsschreibung‹ u.a. über den am 14. April verstorbenen Friedrich Wolters (April/Mai), ›Italien und Frankreich‹ (8. Juni), ›Pflanzenporträts‹ (August), ›Der Rechts Compromiss (Volkskonservative Partei)‹ (nach 16. November), ›Brief über die Reichsreform‹ (Dezember), Übertragung der Sestine von Arnaut Daniel ›Amors e jois e loucs e tems...‹. [undefinedmehr] Mit dem Verlag Georg Müller in München Verträge über ein Goethe-Biographie, einen Reden-Band (20. Dezember).
Veröffentlichungen: Offener Brief ›An Max Reinhardt‹ über Hofmannsthals Theaterschaffen (Münchner Neueste Nachrichten, 23. Februar), ›Lichterblickungs Lied‹ (Corona, Juli), ›Dante. Deutsch von RB‹ mit Nachwort ›Konrad Burdach zum siebzigsten Geburtstage‹ (München: Bremer Presse und Berlin: Rowohlt, Juli), Teildruck aus der geplanten Biographie unter dem Titel ›Hofmannsthals Lehrjahre‹ (Süddeutsche Monatshefte, Oktober), ›Die Herrschaft der Minderwertigen‹ [Stellungnahme zu dem Buch von Edgar J. Jung] (Deutsche Rundschau, November), ›Vergil‹ [Essay] (Corona, November), ›Demant der Krone. Über Konservatismus und Monarchismus‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 15. November).