• Kontakt• Links
Chronik

1907

März: Korrespondenz mit Walther Rathenau; durch Familienbekanntschaft begünstigte Verbindung bis 1919.
28. April bis 1. Mai: Erster der dann meist jährlichen Besuche Rudolf Alexander Schröders.
seit Frühjahr: Gerichtliche Auseinandersetzungen mit dem Verleger Julius Zeitler wegen der unautorisierten Publikation von RBs ›Rede über Hofmannsthal‹.
Ende Mai bis Anfang Juni: Reise nach Berlin (Friedrich Wolters), Leipzig (Anton Kippenberg), München (Franz Blei).
Juli: Beginn der intensiven Korrespondenz mit Alfred Walter von Heymel (bis 1914), der einen Privatdruck von ›Villa‹ vorschlägt.
29. Juli bis 29. August: Saladin Schmitt (1883-1951) in der Villa Sardi als Helfer bei mediävistischen Editionsplänen.
Ende August/September: Aufenthalt in Ponteccio/Garfagnana.
November: Umzug in die Villa dell'Orologio in Vicopelago bei Lucca.
25. bis 27. November: Dreitägiger Besuch Anton Kippenbergs. Verlagspläne (›Münster-Ausgabe‹, ›Annus Mirabilis‹, ›Vermischte Schriften‹).
14. bis 16. Dezember: Zweiter Besuch Schröders.
vor 21. Dezember: Aufbruch nach Deutschland (Familientreffen in Berlin, Wiedersehen mit Berthold Vallentin). Anwerbung von Mitarbeitern für die ›Münster-Ausgabe‹.
Pläne und Manuskripte: Die Monographie ›Weltfragen‹ weitergeführt, Nekrologe ›Carducci‹ (Februar), ›Brief an Fräulein Anette Kolb (betreffend ihrer Schwabinger Mäcenatinnenerfahrung)‹ (März), Denkschriften für die im Insel-Verlag geplanten Editionen ›Münster-Ausgabe‹ und ›Euphorion-Ausgabe‹ (bis September), Roman ›Annus Mirabilis‹, Gedichte ›They also serve‹, ›Pause‹ [undefinedmehr], ›Einem Jüngeren [der Bruder Ernst Borchardt (1886-1931)] in den »Joram«‹, ›Ranunkel‹, ›Cyane‹, ›Pinie‹, ›Rondell‹, ›Vallebuia‹, ›Ode mit dem Granatapfel. An Schröder‹ (Oktober), »Nicht mehr gewohnt, den alten Klang zu greifen...«, »Wüsst ich von Dir nichts weiter als die Art...«, ›Lucchesische Kastanien‹, Erzählung ›Geschichte des Erben‹ (Herbst), Fortsetzung des ›Gesprächs über Formen‹ als ›Drittes Organon‹, Übersetzungen nach Giosué Carducci, Dante Gabriel Rossetti, François Villon. Dramenpläne, u. a. ›Der Graf und der Bettler‹.
Veröffentlichungen: ›Villa‹ (Frankfurter Zeitung, 15./16. Februar), ›Rede über Hofmannsthal‹ (Leipzig: Julius Zeitler [April], ohne Imprimatur), ›Das Buch Joram‹ (Leipzig: Insel-Verlag [Mai]), ›Drei Gedichte‹: ›Der traurige Besuch‹, ›Eine Sestine von Sehnsucht‹, ›Ja und Nein‹ (Insel-Almanach auf das Jahr 1908), ›Ballade von Lasten‹ nach Swinburne (Die Opale, November).

1908

bis Ende Januar: Aufenthalt in Deutschland. Mit Alfred Walter Heymel, Walther Rathenau und Anton Kippenberg in Bremen, Berlin und Leipzig Beratung über die dann nicht realisierten Quartalsschrift ›Das Schiff‹ für den Insel-Verlag.
5. Januar: In Bremen auf Einladung von Gustav Pauli eine Rede über Dante vor privatem Kreis.
März: Bitte an Friedrich Wolters um Rückgabe seiner Gedichte und bisherigen Briefe.
15. bis 17. März: In Berlin Zusammentreffen mit Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann und Martin Buber.
19. bis 28. März: In München nach einer Begegnung mit Paul Nikolaus Cossmann (1869-Konzentrationslager Theresienstadt 1942) eine Verabredung regelmäßiger künftiger Mitarbeit an den ›Süddeutschen Monatsheften‹ (mit Irritationen bis 1912).
11./12. und 22./23. April: Besuche Josef Hofmillers (1872-1933) in der Villa dell´ Orologio.
Juli: Friedrich Gundolf polemisiert erstmals in seiner Rezension von Martin Bubers ›Legende des Baalschem‹ öffentlich gegen RB.
3. Juli: Tod des Vaters Robert Martin Borchardt in Berlin.
14. bis 22. August: Mit Karoline Borchardt Erholungsaufenthalt im Hochgebirgsort Palagnana/Appennin.
November: Umzug in die ›Palazzina‹ der Villa Burlamacchi-Altieri in  Gattaiola bei Lucca. Freundschaft mit Principessa Olga Altieri geb. Cantacuzène (1843-1929).
Pläne und Manuskripte: Rezension ›Stefan Georges „Siebenter Ring“‹ (seit Februar), ›Aus der Bonner Schule. Erinnerungen eines Schülers an Franz Bücheler‹ (Mai), Dramenplan ›Vier Herren‹, Gedichte ›Das Schiff‹ an Alfred Walter von Heymel (April), ›Mythus‹ (?), ›An Philipp [Borchardt] 1908‹, Essayfragment ›Politiker aus dem Kunstsalon‹ gegen Friedrich Naumann (Juni).
Veröffentlichungen: Essays und Rezensionen ›Villa‹ (Privatdruck Leipzig: Haberland, Februar), ›Veltheim‹ (Frankfurter Zeitung, 1. März 1908), ›Renegatenstreiche‹ (Süddeutsche Monatshefte, Mai), Übertragung ›Siegeslied auf Telesikrates‹ nach Pindar (Süddeutsche Monatshefte, Juni), ›Die Wissenschaft des Nicht-Wissenswerten‹ (Die Zeit, 21. Juni), ›Zwei imaginäre Unterhaltungen Landors‹ (Süddeutsche Monatshefte, August), ›Der Kaiser‹ (Süddeutsche Monatshefte, September), Rezensioinen: ›Rudolf Kassner, Melancholia. Eine Trilogie des Geistes‹ (ebd. Oktober), ›Dante und deutsche Dante‹ und ›Zum deutschen Altertum‹ (ebd. November), Gedichte ›Sestine von der bleichen Dame‹ und ›Eine Sestine von der Magnolie im Herbst‹ (Hyperion, Oktober).

1909

März: Mit Karoline Borchardt Aufenthalt in Massa di Sassorosso/ Garfagnana.
10. April: Tod von Algernon Charles Swinburne (geb. 1837).
Ende Mai: Besuch von Rudolf Alexander Schröder und RBs Schwester Else Speyer in der Villa Burlamacchi. Korrespondenz mit Heymel über die gefährdeten Geschäftsbeziehungen mit dem Insel-Verlag.
Mitte Juli bis Mitte August: Mit Karoline Borchardt in London, RB ist Mitglied im ›Arts Club‹ (40, Dover Street, Piccadilly); begründet 1863, Mitglieder waren u. a. Dickens, Rossetti, Swinburne.
20. August bis Ende September: Aufenthalt in Ponteccio/Garfagnana. Dort Besuch des befreundeten Grazer Privatgelehrten und Sammlers Eduard Fischer von Rösslerstamm.
November: Intensive Lektüre von Theodor Mommsens ›Römischer Geschichte‹.
Pläne und Manuskripte: Gedenkschrift für Algernon Charles Swinburne mit Gedicht ›An den Heros‹ (Juni), Redaktion bereits vorhandener und Niederschrift neuer Übertragungen [undefinedmehr] und Essay (München: Hans von Weber, zurückgezogen), ›Ankündigung‹ der geplanten Zeitschrift ›Das Schiff‹, Essaysammlung ›Worte in den Wind‹ und die Übersetzungen nach Landor (München: Verlag der Süddeutschen Monatshefte). Gedicht ›Liliencron‹. Dramen- und Aufführungspläne für Max Reinhardt, jedoch ohne Manuskripte.
Veröffentlichungen: ›Elegie. (Quasi una fantasia)‹ (Hyperion, April), ›Nachdichtungen Swinburnes‹ (Hyperion, Oktober), gemeinsam mit Hofmannsthal und Schröder Herausgabe des Jahrbuchs ›Hesperus‹ (Leipzig: Insel [Oktober]), darin die Gedichte: ›Verse nach der Betrachtung von Landschafts-Zeichnungen geschrieben‹, ›Ode mit dem Granatapfel‹, der Essay ›Stefan Georges »Siebenter Ring«‹ und die Übertragungen ›Aus dem deutschen Dante (Die Hölle I, Das Fegefeuer VI)‹ [undefinedmehr] und ›Pindars drittes pythisches Gedicht‹.

1910

Mitte bis Ende März: Villensuche im Sienesischen.
März: Schröder widmet RB seine ›Deutschen Oden‹. Erscheinen des ›Jahrbuchs für die geistige Bewegung‹ (Berlin: Georg Bondi) mit erneuter Polemik Friedrich Gundolfs gegen RB.
Mai: Lösung der Beziehung zu Friedrich Wolters wie zu anderen Freunden Stefan Georges.
20. bis 23. Mai und Anfang Juni: Besuche Rudolf Alexander Schröders.
Mitte Juni: Auflösung des Haushalts in Gattaiola.
seit Mitte Juli: Wanderfahrt durch die Schweiz (Bergell, Engadin).
Ende August bis Anfang September: Aufenthalt in München, Familientreffen; Uneinigkeit mit der Mutter und den Geschwistern in Erbschafts- und Vermögensfragen. Begegnungen mit Schröder und Therese Leo.
seit Oktober: Mietung der Villa Geggiano bei Siena von Conte Mario Bianchi Bandinelli.
31. Oktober: In München auf Einladung der ›Süddeutschen Monatshefte‹ die Rede ›Erbrechte der Dichtung‹ vor einer Lesung des ›Buches Joram‹. Aufenthalt in der Stadt bis Jahresende.
Dezember: Von Schröder unterstützter Plan der Gründung einer ›Bremer Presse‹ durch Ludwig Wolde und Willy Wiegand, RB als »spiritus rector« des Unternehmens.
Pläne und Manuskripte: Abhandlung ›Über Alkestis‹ (seit Februar), ›Erklärung‹ gegen Friedrich Gundolf (15. März), Nekrolog ›Giosué Carducci. Algernon Charles Swinburne. Eine doppelte Herme‹, Konzeption des Dramenzyklus ›Staufer‹ (Juli), Bemühungen um Fortsetzung des ›Hesperus‹, Gedichte »Wenn sie die Nahrung die sie von mir schlürften...«, ›Rinnesangse‹, ›Publikum‹(?).
Veröffentlichungen: Russische Ausgabe des ›Buches Joram‹, übersetzt von Alexander Eliasberg, Vorwort von W. Rosanow (Petersburg: Pantheon), ›Erbrechte der Dichtung‹ (Münchner Neueste Nachrichten, 20. November), ›Intermezzo‹ (Süddeutsche Monatshefte, Dezember).

1911

seit Jahresanfang: Streit mit der Berliner Familie über Vermögensangelegenheiten; Abbruch der Beziehungen bis Herbst 1914.
9. Februar: Brief über den Archaismus an Josef Hofmiller.
seit Frühjahr: Beschäftigung mit den Publikationen Benedetto Croces und des Verlags Laterza in Bari.
Ende Mai/Anfang Juni: Dreitägiger Besuch von Herbert Steiner (1892-1966) in der Villa di Geggiano; durch dessen Vermittlung Wiederannäherung an Hofmannsthal.
7. Juni: Besuch von Walther Rathenau auf der Durchreise.
23. Juli: Brief über den ›Rosenkavalier‹ (später sog. ›Brief über das Drama‹) an Hofmannsthal.
Herbst: Stellungnahmen zur italienischen Mittelmeerpolitik.
7. Dezember: Brief an Hofmannsthal über die Sammlung des Frühwerks ›Die Gedichte und kleinen Dramen‹ (Leipzig: Insel).
24. Dezember: Brief an Hofmannsthal über den ›Jedermann‹.
Pläne und Manuskripte: Gedichte ›Klassische Ode‹ [undefinedmehr], ›Auf eine angeschossene Schwalbe die der Dichter fand‹, ›Grabschrift der Schwalbe‹, ›Wannsee‹ (August), ›Ballade von Tripolis‹ (November). Aphorismenfolge ›Diarum‹ (seit 28. April), Polemik ›Herr Fischer über Tripolis‹ (November).
Veröffentlichungen: ›Sprüche für das Moltkedenkmal in Bremen‹ (Jahrbuch der Bremischen Sammlungen, Oktober).

1912

Januar: Durch freiwilligen Verzicht auf seine monatlichen Rentenzahlungen der Mutter wird RB genötigt, die Villa di Geggiano aufzugeben.
ab 10. Januar bis Ende April: Aufenthalt in München, ›Pension Kensington‹ am Hauptbahnhof, Luisenstraße 5.
19. Januar: In Heidelberg auf Einladung der ›Akademischen Gesellschaft für Dramatik‹ die Rede ›Die neue Poesie und die alte Menschheit‹.
15. Februar: Unterzeichnung des Vertrags mit der ›Bremer Presse‹ über künftige Zusammenarbeit als Autor, Übersetzer und Berater.
26. März: In Bremen auf Einladung von Adele Wolde die Rede ›Über die Gründe, weshalb es einen deutschen Roman nicht geben kann‹ vor privatem Kreis.
12. April: In München auf Einladung der ›Süddeutschen Monatshefte‹ die Rede ›Systematik der künstlerischen Übersetzung‹ als Einleitung in eine Dante-Vorlesung. Begegnung mit Hofmiller. Im Heymel-Kreis Bekanntschaft mit Oberst Arthur Winsloe und Passion für seine Tochter Christa (1888-1944) bis 1913.
25. April: Mit Karoline Borchardt zurück in Lucca, Villensuche.
am 9./10. Mai: Zusammentreffen mit Hugo und Gerty von Hofmannsthal, Ottonie Gräfin Degenfeld und Max Mell in Lucca, ›Albergo Universo‹.
Ende Mai/Juni: Aufenthalt in Sassi oberhalb Castelnuovo/Garfagnana. Übertragungen nach Pindar. Hofmannsthals Reisegesellschaft dort am 20. Mai für einen Tag zu Gast.
Ende Juni: Einzug in die Villa Mansi in Monsagrati Alto bei S. Martino in Freddana/Lucca.
7./8. Oktober: Besuch Heymels in der Villa Mansi, am Monatsende Bertha und Willy Wiegand.
Pläne und Manuskripte: ›Politische Notiz‹ [zu den Reichstagswahlen] (Januar), Gedichtzyklus ›Der Mann und die Liebe‹ nach dem Winsloe-Erlebnis, »Halte den bittenden Ton...«, ›An den Weinstock‹, Programmentwurf für die ›Bremer Presse‹ (Tacitus, Armer Heinrich, Pindar, Gedichte nach dem Griechischen, Minnesinger, Dante), Übersetzungen nach Dantes ›Vita Nova‹ und Pindar; Plan eines deutschen Browning; Buchausgabe der bisherigen Reden; erste Verbindung mit Ernst Rowohlt. Redaktion der ›Jugendgedichte‹ für den Hundertdruck Heymels (Oktober bis Jahresende). Bemühungen, das Jahrbuch ›Hesperus‹ fortzusetzen. Erweiterung der ›Bacchischen Epiphanie‹, ›Der ruhende Herakles‹ niedergeschrieben.
Veröffentlichungen: Unter dem Pseudonym ›Spectator Germanicus‹ die vier Essays ›Deutschland und die Verwilderung Italiens‹, ›Das Verbrechen der Dreibunderneuerung‹, ›Der Ursprung der italienischen Staatspiraterie‹, ›Die italienische Gefahr‹ (Süddeutsche Monatshefte, März bis Juni), Gedichte ›Auf eine angeschossene Schwalbe, die der Dichter fand‹ und ›Grabschrift der Schwalbe‹ (ebd., März).

1913

24. März bis vor 6. April: Therese und Grete Leo mit Herbert Steiner als Gäste in der Villa Mansi.
9. bis 17. April: Hofmannsthal und Schröder Gäste in der Villa Mansi.
April bis November: Anhaltende Faszination durch Christa Winsloe, mit ihr kurze Reisen in der Region, Liebesbriefwechsel.
Juni: Besuch Schröders in Sassi.
18. bis 20. August: Dreitägiger Aufenthalt in München, Begegnungen u.a. mit Franz Blei.
seit Oktober: Korrespondenz mit dem Musikschriftsteller Walther Krug (1875-19xx) in Lörrach/Baden.
Anfang Dezember: Aufbruch aus Monsagrati, Karoline Borchardt geht zum Malen nach München, RB bleibt bis kurz vor Weihnachten in Florenz, dann Treffen in Kufstein, ›Gasthof Auracher‹. Bergtouren.
Pläne und Manuskripte: Arbeit an der ›Germania‹ des Tacitus für die ›Bremer Presse‹ (Abschluß im März), an Dante- und Pindar-Übersetzungen und einem ›Lassalle‹-Drama (Juli), Übertragung nach Voltaire ›Les Adieux‹ (Juni) [undefinedmehr], Gedicht »Hier übergeb ich, wie der Schlüssel Mietern...« (?).  
Veröffentlichungen: ›Legnano-Lied‹ nach Giosué Carducci (Die Güldenkammer, Januar), ›Jugendgedichte‹ (Leipzig: Privatdruck im Auftrag von A. W. von Heymel [März]), ›Die unverantwortliche Stadt‹ (Der lose Vogel, August; seit 1927 unter dem Titel ›Scherzo‹) [undefinedmehr], ›Wannsee‹ (Die weißen Blätter, September).