Skandal um Borchardts ›Jamben‹
Die von Elisabeth Lenk veranstaltete Neuausgabe von Rudolf Borchardts ›Jamben‹ in der Bibliothek Suhrkamp (Nr. 1386, Frankfurt/Main 2005) sorgt in den deutschen Feuilletons für Aufregung. Verärgert nennt Alexander Kissler in der ›Süddeutschen Zeitung‹ vom 10. Januar 2005 das der Edition beigegebene Nachwort eine »Verzeichnung«, »zwischen Geschwätzigkeit und Geraune kurios schwankend«. Auch Patrick Bahners testiert der Herausgeberin in seinem Artikel ›Gewissermaßen Kolumbus. Rudolf Borchardt entdeckt Amerika in der innersten Emigration‹ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 6 vom 10. Januar 2005 S. 44) vor allem philologisch grobe Fahrlässigkeit bei der Textkonstitution. Das Bändchen sei »als Leseausgabe gedacht, aber selbst als solche unbrauchbar«.
Der Bielefelder Privatdozent Dr. Kai Kauffmann, dessen Untersuchung ›Ein so stummes wie unerschöpfliches Bildungsproblem. Rudolf Borchardt zwischen jüdischer Familienherkunft und deutscher Kulturmission‹ (vgl. Bibliographie: Kauffmann 2004) Bahners bei dieser Gelegenheit eine »barbarische« und »geschmacklose« Lesart des Jambus´›Ahasver‹ attestiert, fühlt sich mißverstanden und regagiert mit einem Leserbrief unter der Überschrift ›Stilkritik in Sachen Borchardt‹ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 23 vom 28. Januar 2005 S. 42).

